Messepublikationen planen: Gespräch, Nachbereitung und Sprachversionen

Illustration in Orange und Schwarz: Ein Vertriebsteam ordnet am Messestand Faltprospekte, Broschüren und Datenblätter, ein Besucher blättert in einer Broschüre.
Illustration in Orange und Schwarz: Ein Vertriebsteam ordnet am Messestand Faltprospekte, Broschüren und Datenblätter, ein Besucher blättert in einer Broschüre.

Vor einer Messe entstehen Unterlagen oft unter Zeitdruck. Die Imagebroschüre wird nachgedruckt, ein neues Produktblatt kommt dazu, und kurz vor dem Termin fällt auf, dass die englische Fassung fehlt. Am Stand zeigt sich dann, ob die Unterlagen zu den Gesprächen passen. Ein Besucher, der nur kurz stehen bleibt, braucht etwas anderes als eine Einkäuferin, die nach einem halbstündigen Fachgespräch ein Angebot erwartet.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du Messepublikationen von den Gesprächssituationen her planst: welche Unterlage welche Aufgabe übernimmt, wie du Sprachversionen und Nachbereitung von Anfang an mitdenkst und wie du einen Drucktermin festlegst, der auch hält. Standbau, Logistik und allgemeine Messeorganisation sind nicht Thema. Es geht um die Publikationen.

Kurz gesagt: Plane Messeunterlagen nicht als Produktliste, sondern nach Gesprächssituationen. Lege für jede Situation fest, welche Frage die Unterlage beantworten soll, in welchen Sprachen sie gebraucht wird und wie es nach der Messe weitergeht. Den Drucktermin rechnest du vom ersten Messetag rückwärts, mit eigener Zeit für Übersetzung und sprachliche Prüfung.

Die wichtigsten Begriffe

  • Messepublikation: jede gedruckte oder digitale Unterlage für Gespräche auf einer Messe und deren Nachbereitung, von der Kurzunterlage bis zum Datenblatt.
  • Messebroschüre: eine Broschüre, die das Angebot so darstellt, wie es am Stand besprochen wird, oft mit Schwerpunkt auf Neuheiten.
  • Vertriebsunterlage: was der Vertrieb im Gespräch zeigt oder mitgibt, etwa eine Produktbroschüre oder ein Datenblatt.
  • Sprachversion: eine vollständige Fassung der Publikation in einer weiteren Sprache, mit eigenem Satz, eigener Prüfung und eigener Freigabe.
  • Nachbereitung: alles nach dem Gespräch, vom Versand weiterer Unterlagen bis zum Folgetermin. Publikationen bereiten sie über Ansprechpersonen oder QR-Codes vor.
Illustration in Orange und Schwarz: Am Messestand reicht eine Verkäuferin einem Besucher eine Broschüre, im Hintergrund nimmt jemand im Vorbeigehen einen Faltprospekt aus dem Ständer.
Ein kurzer Kontakt im Vorbeigehen braucht eine andere Unterlage als ein Fachgespräch.

Welche Unterlage für welche Gesprächssituation?

Auf eine Fachmesse kommen Besucherinnen und Besucher meist gezielt, weil sie sich für ein bestimmtes Fachgebiet interessieren. Trotzdem verlaufen die Gespräche sehr unterschiedlich. Die folgende Entscheidungsmatrix ordnet typische Situationen einer passenden Unterlage zu. Sie ist ein Ausgangspunkt, keine feste Regel. Welche Zeilen für dich zählen, hängt von Produkt, Vertriebsweg und Besucherstruktur ab.

Gesprächssituation Frage der Besucher Passende Unterlage Kommentar
Kurzer Kontakt im Vorbeigehen Was macht dieses Unternehmen, und ist das für mich relevant? Kompakte Kurzunterlage, etwa ein gefalzter Prospekt oder eine Karte Muss in wenigen Sekunden Absender, Angebot und Kontaktweg zeigen. Details gehören nicht hinein.
Fachgespräch am Stand Löst das Produkt mein konkretes Problem? Messebroschüre oder Produktbroschüre Unterstützt das Gespräch mit Anwendungen, Vergleichen und Abbildungen. Wird oft erst nach der Messe gründlich gelesen.
Technische Detailfrage Passen Maße, Leistungsdaten oder Normen? Datenblatt oder technische Produktbroschüre Kann im Gespräch gezeigt und digital nachgereicht werden. Der Datenstand muss zum Drucktermin stimmen.
Internationale Besucher Gibt es das in meiner Sprache und für meinen Markt? Sprachversionen der wichtigsten Unterlagen Nicht jede Unterlage braucht jede Sprache. Priorisiere nach den erwarteten Besuchergruppen.
Nach dem Gespräch Wie geht es weiter, und wo finde ich mehr? Kontaktseite in der Broschüre, QR-Code zu einer gepflegten Zielseite, PDF für den Versand Verbindet Druck und Nachbereitung. Die Zielseite muss so lange funktionieren, wie Exemplare im Umlauf sind.

Die Matrix zeigt auch, was du weglassen kannst. Wenn die Gespräche fast immer technisch werden, hilft eine gut gegliederte technische Produktbroschüre mehr als ein weiteres Imageprodukt.

Vier Planungsentscheidungen für Messepublikationen

1. Inhalte nach Gesprächsphasen ordnen

Ein Messegespräch hat meist drei Phasen: den ersten Blick, das eigentliche Gespräch und die Zeit danach. In jeder Phase brauchen Leser andere Informationen. Auf dem Titel und der ersten Doppelseite steht, wer ihr seid und welches Problem ihr löst. Im Innenteil folgen Anwendungen, Vergleiche und Belege. Am Ende stehen Ansprechpersonen und der Weg zu weiterführenden Inhalten. Daten, die sich schnell ändern, wandern in Datenblätter oder auf eine Zielseite.

2. Umfang und Format passend zur Lesesituation wählen

Am Stand wird im Stehen gelesen. Was dort funktionieren soll, muss handlich und auf einen Blick verständlich sein. Eine umfangreiche Broschüre spielt ihre Stärke dagegen nach der Messe im Büro aus. Bewährt sind deshalb oft zwei Stufen: eine kompakte Unterlage zum Mitnehmen und eine ausführliche Publikation für Gespräch und Versand.

3. Sprachversionen früh festlegen

Welche Sprachen gebraucht werden, beeinflusst Zeitplan, Layout und Aufwand. Übersetzte Texte haben oft eine andere Länge als der Ausgangstext, und gerade kurze Elemente wie Überschriften oder Bildunterschriften können sich stark verlängern. Das W3C weist darauf hin, dass die relative Ausdehnung umso größer ausfällt, je kürzer der Ausgangstext ist. Plane deshalb Raum im Layout ein und lege fest, wer jede Sprachfassung prüft und freigibt.

4. Die Nachbereitung schon im Druck vorbereiten

Eine Messebroschüre wirkt nach dem Gespräch weiter, wenn sie den nächsten Schritt zeigt: eine Ansprechperson oder eine Zielseite mit Datenblättern, gegebenenfalls über einen geprüften QR-Code. Wenn ihr am Stand Kontakte sammelt und danach per E-Mail werben wollt, beachte: Werbung per E-Mail setzt nach § 7 UWG grundsätzlich eine vorherige ausdrückliche Einwilligung voraus, die Ausnahmen sind eng gefasst. Wie ihr Einwilligungen am Stand einholt und dokumentiert, lässt du im Zweifel rechtlich prüfen.

Zeitleiste mit sieben nummerierten Stationen von links nach rechts: Materialtermin, Gestaltung und Satz, Übersetzung, Prüfung im Layout, Druckfreigabe, Druck und Anlieferung, jede mit einer verantwortlichen Person; über Übersetzung, Prüfung und Freigabe eine Klammer mit drei Sprachkürzeln und der Beschriftung je Sprachversion; danach ein schraffierter Puffer und rechts das hervorgehobene Feld erster Messetag; darunter ein Pfeil nach links mit der Beschriftung rückwärts planen.
Vom ersten Messetag aus rückwärts geplant: Übersetzung, Prüfung und Freigabe laufen je Sprachversion, dazu ein Puffer vor der Messe.

Den Drucktermin vom Messetermin rückwärts planen

Der Messetermin lässt sich nicht verschieben. Jede Verzögerung am Anfang verkürzt deshalb die Zeit für Übersetzung, Prüfung und Druck. Rechne vom ersten Messetag rückwärts und gib jedem Schritt eine verantwortliche Person:

  1. Erster Messetag: Die Unterlagen liegen am Stand.
  2. Anlieferung: mit Puffer vor dem Standaufbau, ans Messegelände oder ins Büro.
  3. Druck und Weiterverarbeitung: Die Dauer hängt von Druckverfahren, Auflage, Bindung und Veredelung ab. Frag sie bei der Druckerei an, bevor der Zeitplan steht.
  4. Druckfreigabe: für jede Sprachversion einzeln, durch eine benannte Person.
  5. Sprachliche Prüfung im Layout: nach dem Satz der Übersetzungen, nicht nur im Textdokument.
  6. Übersetzung: erst nach Freigabe des Ausgangstexts, damit nicht mehrere Fassungen parallel geändert werden müssen.
  7. Gestaltung und Satz der Ausgangsfassung mit vereinbarten Korrekturrunden.
  8. Materialtermin: Texte, Bilder und Produktdaten liegen vollständig vor.

Wenn dieser Plan nicht aufgeht, reduziere lieber den Umfang, als die Prüfung zu streichen. Wie du einen Zeitplan für Publikationen allgemein aufbaust, beschreiben wir im Beitrag Zeitplan für Publikationen.

Illustration in Orange und Schwarz: Ein Team sitzt an einem Tisch mit Korrekturausdrucken einer Broschüre in mehreren Fassungen, eine Person markiert Korrekturen.
Vertrieb, Marketing, Produktmanagement, Übersetzung und Gestaltung brauchen klar verteilte Aufgaben.

Materialbedarf und Zuständigkeiten

Messepublikationen verbinden mehrere Abteilungen. Diese Übersicht hilft dir, die Aufgaben zu verteilen:

Aufgabe Typisch zuständig Worauf es ankommt
Ziele und Gesprächssituationen festlegen Vertrieb und Marketing gemeinsam Welche Gespräche erwartet ihr, und was soll danach passieren?
Produktdaten und technische Angaben Produktmanagement Datenstand zum Drucktermin, fachliche Freigabe
Texte und Bilder Marketing, gegebenenfalls Fotografie Nutzungsrechte, Textlängen, Bildqualität für den Druck
Übersetzung und sprachliche Prüfung Übersetzungsdienstleister, muttersprachliche Kolleginnen und Kollegen Fachbegriffe, Prüfung im fertigen Layout
Gestaltung, Satz und Projektsteuerung Agentur oder interne Grafik Sprachversionen, Druckdaten, Terminüberwachung
Druck und Lieferung Druckerei Lieferadresse, Liefertermin, Verpackung
Nachbereitung Vertrieb Zielseiten, Kontaktwege, PDF für den Versand

Wir übernehmen bei Messepublikationen Gestaltung, Satz und Projektmanagement, beraten bei Konzeption und Briefing und organisieren auf Wunsch den Druck über unsere Druckpartner. Inhaltliche Entscheidungen, Produktdaten und Freigaben bleiben bei dir und deinem Team.

Beispiel: Vom Messetermin zum Publikationsplan

Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.

Ein Hersteller von Filteranlagen für die Lebensmittelindustrie stellt auf einer internationalen Fachmesse aus und erwartet Besucher aus dem deutschsprachigen Raum, aus Frankreich und aus Polen. Der Vertrieb wünscht sich „eine neue Broschüre in allen Sprachen“. Das Team geht die Entscheidungsmatrix Zeile für Zeile durch:

  • Kurzer Kontakt: eine sechsseitige Kurzunterlage im Format DIN lang mit den drei Anlagentypen, je einem Satz zum Einsatzbereich und einem QR-Code zur Produktübersicht. Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch.
  • Fachgespräch: eine Produktbroschüre mit 20 Seiten, gegliedert nach Anwendungen. Sprachen: Deutsch und Englisch. Für Gespräche mit französischen und polnischen Besuchern nutzt der Vertrieb die englische Fassung, weil diese Gespräche meist ohnehin auf Englisch geführt werden.
  • Technische Fragen: Datenblätter als PDF auf einer Zielseite, die nach der Messe weiter gepflegt wird.
  • Nachbereitung: Die letzte Seite der Broschüre nennt Ansprechpersonen je Region. Kontaktdaten am Stand werden nur mit einer dokumentierten Einwilligung für den späteren Versand von Informationen erfasst.
  • Zeitplan: Die Kurzunterlage wird zuerst fertiggestellt, weil sie in vier Sprachen erscheint und die meiste Prüfzeit braucht.

Aus dem Wunsch nach „einer Broschüre in allen Sprachen“ sind zwei gezielte Publikationen geworden, und der Aufwand für Übersetzung fließt dorthin, wo er gebraucht wird.

Die Vertiefungen zu diesem Thema

Häufige Fragen

Wie früh sollte die Planung der Messeunterlagen beginnen?

So früh, dass vom ersten Messetag rückwärts alle Schritte Platz haben, von der Materiallieferung bis zur Anlieferung am Stand. Wie lange jeder Schritt dauert, hängt von Umfang, Zahl der Sprachen und Druckverfahren ab. Erfrage die Druckzeit früh bei der Druckerei und plane für jede Sprachversion eine eigene Prüfrunde ein.

Brauchen wir für die Messe eine eigene Broschüre, oder reicht die vorhandene?

Prüfe die vorhandene Broschüre an den erwarteten Gesprächssituationen. Wenn sie die wichtigsten Fragen beantwortet, aktuell ist und die Neuheiten der Messe enthält, kann eine Aktualisierung genügen. Fehlen Neuheiten oder passt die Gliederung nicht zu den Gesprächen, lohnt sich eine eigene Messeausgabe oder eine ergänzende Kurzunterlage.

Wie viele Exemplare sollen wir drucken?

Eine feste Formel gibt es nicht. Orientiere dich an der erwarteten Zahl der Gespräche, an Erfahrungen früherer Messen und an der Verwendung nach der Messe. Für Unterlagen mit schnell veraltenden Daten ist eine kleinere Auflage mit späterem Nachdruck oft sinnvoller als ein großer Vorrat.

Müssen alle Unterlagen in alle Sprachen übersetzt werden?

Nein. Entscheide nach den erwarteten Besuchergruppen und nach der Sprache, in der die Gespräche tatsächlich geführt werden. Oft reicht es, die kompakte Unterlage in mehrere Sprachen zu bringen und die ausführliche Broschüre auf die wichtigsten Sprachen zu beschränken.

Dein nächster Schritt

Liste die Gespräche auf, die ihr auf der nächsten Messe erwartet, und ordne ihnen mit der Entscheidungsmatrix eine Unterlage zu. Halte das Ergebnis in einem Briefing fest. Unsere Briefing-Checkliste hilft dir dabei. Welche Leistungen wir bei Broschüren übernehmen, siehst du auf der Seite Broschüre gestalten lassen. Wenn du die Umsetzung mit uns planen möchtest, beschreib uns dein Vorhaben über die Projektanfrage.

Quellen

Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert. Erklärgrafiken: eigene Darstellung.

Bild von Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner ist Grafikdesigner und WordPress-Freelancer mit über 20 Jahren Erfahrung. Er unterstützt Werbeagenturen und Unternehmen bei der Gestaltung von Publikationen wie Broschüren, Magazinen und Katalogen sowie bei der Entwicklung von maßgeschneiderten Webseiten und Webanwendungen.

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