Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Messepublikationen planen: Gespräch, Nachbereitung und Sprachversionen.
Am Messestand liegt neben der ausführlichen Broschüre oft eine kompakte Unterlage: ein gefalzter Prospekt, eine Karte oder ein Einzelblatt. Sie wird im Vorbeigehen mitgenommen, landet in einer Tasche mit vielen anderen Prospekten und wird später in wenigen Sekunden geprüft. Auf wenig Raum muss sie zeigen, wer ihr seid, was ihr anbietet und wo es weitergeht. Überladene Unterlagen mit zu vielen Schriften, Farben und Botschaften scheitern genau an dieser Aufgabe.
Wir zeigen dir, wie du Inhalte priorisierst, das Format zur Lesesituation wählst und Details über Verweise auslagerst. Die Grundsätze gelten auch für Titel und Einstiegsseiten umfangreicherer Publikationen.
Kurz gesagt: Eine kompakte Messeunterlage braucht eine klare Rangfolge: eine Kernaussage, wenige Belege und einen eindeutigen nächsten Schritt. Wähle das Format nach der Lesesituation am Stand, nicht nach der Menge an Inhalten. Alles, was darüber hinausgeht, gehört in die ausführliche Broschüre, in Datenblätter oder auf eine Zielseite.
Schritt 1: Inhalte priorisieren
Bevor gestaltet wird, braucht jede kompakte Unterlage Antworten auf drei Fragen: Was soll der Leser sofort verstehen? Was soll er wissen, wenn er kurz weiterliest? Und was soll er danach tun? Daraus ergeben sich drei Ebenen:
| Ebene | Lesesituation | Inhalt | Gestaltungsmittel |
|---|---|---|---|
| 1. Erster Blick | Im Vorbeigehen, beim Griff in den Prospektständer | Absender, Kernaussage, ein aussagekräftiges Bild | Große Überschrift, Logo, ein starkes Motiv, viel Weißraum |
| 2. Kurzes Lesen | Am Stand oder beim Sortieren der mitgenommenen Prospekte | Drei bis fünf Einsatzbereiche, Produktgruppen oder Vorteile | Zwischenüberschriften, kurze Absätze, Aufzählungen |
| 3. Nächster Schritt | Bei Interesse, oft erst nach der Messe | Ansprechperson, Zielseite, Hinweis auf ausführliche Unterlagen | Kontaktblock, QR-Code mit lesbarer Adresse |
Was keiner Ebene zugeordnet werden kann, kommt nicht in die kompakte Unterlage. Hilfreich ist die Frage: Würde ein Besucher diese Information vermissen, wenn er die Unterlage nach der Messe noch einmal in die Hand nimmt?
Hierarchie im Layout sichtbar machen
Die Rangfolge im Inhalt muss im Layout erkennbar sein:
- Größenunterschiede: Die Kernaussage ist deutlich größer als alles andere. Wenn drei Elemente gleich groß sind, ist keines das wichtigste.
- Schriften: Meist genügt eine Schriftfamilie mit wenigen Schnitten oder die Kombination aus zwei Schriften, eine für Überschriften und eine für den Text. Mehr Schriften erzeugen Unruhe, aber keine zusätzliche Ordnung.
- Weißraum: Freiraum trennt die Ebenen und lenkt den Blick. Mehr dazu im Beitrag Weißraum in Publikationen.
- Raster: Ein einfaches Raster hält die Elemente auch auf kleinem Format zusammen. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag Raster und Satzspiegel.
- Bilder: Ein starkes Motiv wirkt mehr als vier kleine, am besten mit dem Angebot in der Anwendung.
- Farbe: sparsam und nach Corporate Design. Wenn alles hervorgehoben ist, sticht nichts hervor.
Für die Leserlichkeit von Schrift gibt es mit DIN 1450 eine eigene Norm, die beschreibt, wie Schriften leserlich dargestellt werden. Im Projekt gilt: Prüfe Schriftgröße, Kontrast und Zeilenabstand immer an einem Ausdruck in Originalgröße und aus typischem Leseabstand, nicht nur am Bildschirm.

Schritt 2: Format und Lesesituation prüfen
Am Stand wird im Stehen gelesen, danach wandert die Unterlage in eine Tasche oder einen Ordner. Das Format sollte zu beiden Situationen passen. Die A-Formate sind in ISO 216 festgelegt, das verbreitete Falzformat DIN lang entsteht zum Beispiel aus einem A4-Bogen mit zwei Falzen.
| Format | Endformat | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|---|
| A6 als Karte | 105 x 148 mm | Sehr handlich, für eine Kernaussage und einen Verweis | Kaum Platz für Belege |
| DIN lang, aus A4 zweimal gefalzt | rund 99 x 210 mm | Passt in Jackentasche und Prospektständer, mehrere Felder für eine Gliederung | Schmale Spalten, wenig Raum für große Bilder oder Tabellen |
| A5 | 148 x 210 mm | Handlich und trotzdem Raum für Bild und Text, auch als kleines Heft | Passt nicht in Ständer für DIN lang |
| A4 | 210 x 297 mm | Viel Raum für Bilder und Tabellen, passt in Ordner und Mappen | Unhandlich zum Mitnehmen, wird leicht geknickt |
Bei gefalzten Unterlagen bestimmt die Falzart die Lesereihenfolge. Beim Wickelfalz sieht der Leser nach dem Titel zuerst die eingeschlagene Seite, beim Zickzackfalz liegen die Seiten nebeneinander. Prüfe die Reihenfolge früh an einem Falzmuster aus Papier. Für die Papierwahl hilft unser Beitrag zu Papierstärken und Grammaturen.
Schritt 3: Details über passende Verweise erschließen
Eine kompakte Unterlage muss nicht alles erklären, aber zeigen, wo es mehr gibt:
- Auf die ausführliche Publikation: Nenne, welche Broschüre oder welcher Katalog die Details enthält und wo sie erhältlich ist, am Stand, per Post oder als PDF.
- Auf eine Zielseite: eine kurze, lesbare Adresse und gegebenenfalls ein QR-Code. Die Zielseite führt direkt zu den passenden Inhalten und nicht auf die Startseite.
- Auf eine Person: Name, Funktion und Kontaktweg wirken verbindlicher als eine allgemeine Sammeladresse.
Statt künstlicher Dringlichkeit funktioniert beim Fachpublikum ein konkreter nächster Schritt besser, etwa ein Termin für eine Vorführung.
Checkliste vor der Druckfreigabe
- Die Kernaussage lässt sich in einem Satz wiedergeben und steht auf der Titelseite.
- Es gibt höchstens drei bis fünf Belege oder Einsatzbereiche.
- Der nächste Schritt ist eindeutig und nennt einen Kontaktweg.
- Jeder Verweis führt zu einem Ziel, das existiert und getestet ist.
- Die Lesereihenfolge ist am gefalzten Muster geprüft.
- Schriftgrößen und Kontraste sind am Ausdruck in Originalgröße geprüft.
- Alle Bilder liegen in Druckqualität und mit geklärten Nutzungsrechten vor.

Beispiel: Vom überfüllten Flyer zur kompakten Messeunterlage
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Hersteller von Schutzhandschuhen hat bisher einen beidseitig bedruckten A4-Flyer mit 40 Artikelabbildungen ausgelegt. Der Vertrieb hört oft, man habe den passenden Handschuh darauf nicht gefunden. Für die nächste Messe ordnet das Team die Inhalte nach den drei Ebenen:
- Erster Blick: Format DIN lang mit Wickelfalz. Der Titel zeigt einen Handschuh im Einsatz an einer Metallkante und nennt in einem Satz das Fachgebiet des Unternehmens.
- Kurzes Lesen: Die Innenseiten stellen drei Einsatzbereiche vor, je mit einem Bild und zwei Sätzen zu den typischen Anforderungen. Am Falzmuster merkt das Team, dass die eingeschlagene Seite zuerst gesehen wird, und setzt dort die Übersicht der drei Bereiche hin.
- Nächster Schritt: Die Rückseite nennt die Ansprechpersonen im Außendienst und verweist auf den Katalog mit allen Artikeln. Ein QR-Code mit ausgeschriebener Adresse führt zu den Datenblättern.
Die 40 Artikel stehen weiterhin im Katalog. Die kompakte Unterlage zeigt nur noch, wo sie zu finden sind.
Häufige Fragen
Flyer, Faltprospekt oder Karte: Was passt zur Messe?
Das hängt davon ab, was die Unterlage leisten soll. Eine Karte trägt eine Kernaussage und einen Verweis, ein Faltprospekt im Format DIN lang drei bis fünf Themen, ein A5-Heft auch Bilder mit kurzen Erklärungen. Für ein ganzes Sortiment ist ein Katalog die bessere Wahl.
Welche Schriftgröße ist auf kleinen Formaten sinnvoll?
Eine feste Zahl für alle Fälle gibt es nicht. Die Wirkung hängt von der Schrift, vom Zeilenabstand, vom Kontrast und vom Leseabstand ab. Drucke die Unterlage in Originalgröße aus und lass sie von Personen lesen, die den Text nicht kennen, auch von älteren Kolleginnen und Kollegen.
Welches Papier eignet sich für kompakte Messeunterlagen?
Eine Karte, die einzeln mitgenommen wird, braucht ein festeres Papier als ein Faltprospekt, der sich sauber falzen lassen muss. Lass dir von der Druckerei Muster auf dem geplanten Papier geben und teste Falz, Haptik und die Lesbarkeit von QR-Codes daran.
Kann eine kompakte Unterlage die Broschüre ersetzen?
Selten. Sie öffnet das Gespräch und hilft bei der Erinnerung, für die Entscheidung brauchen Fachbesucher aber meist mehr. Beide Unterlagen sollten deshalb aufeinander verweisen und gestalterisch zusammenpassen.
Dein nächster Schritt
Ordne die Inhalte deiner nächsten Messeunterlage den drei Ebenen zu und streiche, was keiner Ebene dient. Wie die kompakte Unterlage mit Messebroschüre, Sprachversionen und Nachbereitung zusammenspielt, liest du im Themenschwerpunkt Messepublikationen planen. Was wir bei Prospekten übernehmen, zeigt die Seite Werbeprospekt gestalten lassen. Für dein konkretes Vorhaben nutze die Projektanfrage.
Quellen
- ISO International Organization for Standardization: ISO 216:2007 Writing paper and certain classes of printed matter, Trimmed sizes, A and B series. Abgerufen am 03.11.2026.
- DIN Media: DIN 1450 Schriften, Leserlichkeit (Ausgabe 2013, ersetzt durch DIN 1450:2024-11). Abgerufen am 03.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.