Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Erklärungsbedürftige Produkte mit Broschüren verständlich vermitteln.
Technische Produktbroschüren entstehen oft aus dem Datenblatt heraus: Die Tabelle steht, ein paar Fotos kommen dazu, fertig. Das Ergebnis ist vollständig, aber schwer zu lesen, weil niemand erklärt, warum die Werte wichtig sind. Umgekehrt gibt es Broschüren mit großen Versprechen, in denen die Daten fehlen, die ein Planer oder Einkäufer zum Prüfen braucht.
Dieser Beitrag zeigt dir einen Aufbau in drei Schritten, der beides verbindet, mit Gliederung und Checkliste für deine eigene Broschüre.
Kurz gesagt: Eine technische Produktbroschüre beginnt mit dem Problem des Anwenders, erklärt dann, wie das Produkt es löst, und belegt das am Ende mit sauber geordneten Daten. Alle Werte stehen in gesetzlichen Einheiten mit Messbedingung und Datenstand, und jede Leistungsaussage hat einen internen Nachweis und eine zuständige Ansprechperson.
Schritt 1: Mit dem Anwenderproblem beginnen
Leser greifen zu einer technischen Broschüre, weil sie eine Aufgabe lösen müssen: eine Anlage planen, ein Gerät ersetzen, einen Engpass beseitigen. Beginne deshalb nicht mit der Firmengeschichte oder der Produktbezeichnung, sondern mit dieser Aufgabe. Vier Fragen helfen beim Formulieren:
- Welche Aufgabe hat der Anwender, und unter welchen Bedingungen arbeitet er?
- Was macht diese Aufgabe schwierig, teuer oder fehleranfällig?
- Welches Merkmal des Produkts setzt genau dort an?
- Woran erkennt der Anwender, dass das Problem gelöst ist?
Die Antworten ergeben Einstiegsseite und Nutzenargumente. Jedes Nutzenargument sollte auf ein konkretes Merkmal zurückgehen: Ein Nutzen ohne Merkmal klingt nach Werbung, ein Merkmal ohne Nutzen bleibt unverständlich.
Eine bewährte Gliederung
Die folgende Gliederung eignet sich für Broschüren zu einem Produkt oder einer kleinen Produktfamilie. Die rechte Spalte zeigt, wer den Inhalt typischerweise liefert.
| Abschnitt | Aufgabe | Inhalt | Lieferant |
|---|---|---|---|
| Titel und Einstieg | Problem und Lösung in einem Satz zeigen | Produktname, Kernnutzen, Anwendungsbild | Marketing |
| Anwenderproblem | Leser in seiner Situation abholen | Aufgabe, Schwierigkeit, Folgen | Vertrieb, Anwendungstechnik |
| Funktionsprinzip | Verständnis schaffen | Erklärgrafik mit kurzen Beschriftungen | Entwicklung |
| Nutzenargumente | Merkmale in Vorteile übersetzen | Drei bis fünf Argumente mit Bezug zum Merkmal | Produktmanagement |
| Anwendungsfälle | Einsatz greifbar machen | Zwei bis drei typische Szenarien | Anwendungstechnik |
| Technische Daten | Prüfung und Auswahl ermöglichen | Datentabelle, Abmessungen, Varianten | Produktmanagement, Entwicklung |
| Nachweise und Kontakt | Vertrauen und nächsten Schritt sichern | Normen, Prüfungen, Ansprechpartner, Datenstand | Qualitätsmanagement, Vertrieb |

Schritt 2: Spezifikationen konsistent ordnen
Technische Daten sind der Teil, den Fachleute am genauesten lesen. Uneinheitliche Angaben fallen sofort auf und kosten Glaubwürdigkeit. Diese Regeln sorgen für Ordnung:
- Eine Datenquelle: Alle Werte kommen aus einer freigegebenen Quelle, etwa dem aktuellen Datenblatt oder dem Produktinformationssystem. Werte aus alten Präsentationen werden nicht übernommen.
- Gesetzliche Einheiten: Im geschäftlichen Verkehr sind Größen in Deutschland in gesetzlichen Einheiten anzugeben, wenn für sie solche Einheiten festgelegt sind. Dazu gehören die Einheiten des Internationalen Einheitensystems (SI) wie Meter, Kilogramm oder Watt. Andere Angaben, etwa Zoll bei Gewinden, sollten nur zusätzlich und mit Bedacht erscheinen.
- Schreibweise: Zwischen Zahl und Einheitenzeichen steht ein Leerzeichen, also „12,5 kg“ und „30 °C“. Einheitenzeichen sind keine Abkürzungen: Sie bekommen keinen Punkt und keine Pluralform. Im Satz verwenden wir ein geschütztes Leerzeichen, damit Zahl und Einheit nicht getrennt werden.
- Eine Einheit pro Angabe: „1,25 m“ statt „1 m 25 cm“. Innerhalb einer Tabelle bleibt die Einheit einer Zeile gleich.
- Messbedingungen: Werte wie Leistung, Durchfluss oder Geräuschpegel hängen von Bedingungen ab. Nenne sie in einer Fußnote oder direkt beim Wert.
- Toleranzen und Grenzwerte: Kennzeichne, ob ein Wert typisch, minimal oder maximal ist.
- Feste Reihenfolge: Ordne die Daten bei allen Produkten in derselben Reihenfolge, damit Leser vergleichen können.
Wenn mehrere Varianten nebeneinanderstehen, lohnt sich eine eigene Vergleichstabelle. Wie du sie aufbaust, zeigen wir im Beitrag Produktvergleiche gestalten.

Schritt 3: Nachweise und Ansprechpartner ergänzen
Fachleute wollen wissen, worauf sich eine Aussage stützt. Angaben über Vorteile, Zwecktauglichkeit oder Testergebnisse dürfen nach dem Wettbewerbsrecht nicht unwahr oder irreführend sein. Lege deshalb zu jeder Leistungsaussage intern fest, welcher Nachweis dahintersteht: ein Prüfbericht, eine eigene Messung, ein Zertifikat oder eine Norm. In der Broschüre selbst genügt oft ein kurzer Hinweis, etwa „gemessen nach Norm X, Prüfbericht auf Anfrage“. Nenne Normen und Zertifikate nur, wenn sie für das konkrete Produkt tatsächlich vorliegen.
Ergänze außerdem, an wen sich Leser mit Fachfragen wenden können: eine Abteilung mit Kontaktweg, nicht nur die Zentrale. Ein Datenstand wie „Stand: November 2026“ zeigt, wie aktuell die Angaben sind.
Checkliste vor der Fachfreigabe
- Jedes Nutzenargument verweist auf ein konkretes Merkmal.
- Alle Daten stammen aus der aktuellen, freigegebenen Datenquelle.
- Einheiten sind gesetzliche Einheiten und einheitlich geschrieben.
- Messbedingungen und Toleranzen sind angegeben, wo Werte davon abhängen.
- Zu jeder Leistungsaussage liegt intern ein Nachweis vor.
- Genannte Normen und Zertifikate gelten für genau dieses Produkt.
- Ansprechpartner für Fachfragen und Datenstand sind angegeben.
- Die zuständige Fachabteilung hat Daten und Aussagen schriftlich freigegeben.
Beispiel: Broschüre für einen Industrie-Luftentfeuchter
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Hersteller bietet einen Luftentfeuchter für Lagerhallen an. Das Datenblatt nennt Entfeuchtungsleistung, Luftvolumenstrom, Leistungsaufnahme, Schalldruckpegel und Abmessungen. In der Vertriebspräsentation stehen teils andere Werte, teils in anderen Einheiten.
- Anwenderproblem: In ungeheizten Hallen bildet sich Kondenswasser, Verpackungen weichen auf, Metallteile korrodieren.
- Nutzenargumente: Die Entfeuchtungsleistung bei niedrigen Temperaturen (Merkmal) hält die Luftfeuchte auch im Winter stabil (Wirkung), sodass Ware trocken bleibt (Nutzen).
- Datenbereinigung: Die Werte aus der Präsentation werden verworfen. Alle Angaben kommen aus dem freigegebenen Datenblatt, die Entfeuchtungsleistung wird einheitlich in Litern pro Tag mit der zugehörigen Temperatur und Luftfeuchte als Messbedingung angegeben.
- Nachweise: Für den Schalldruckpegel liegt eine eigene Messung vor. Die Broschüre nennt Messabstand und Messbedingung.
- Kontakt: Die Anwendungstechnik ist mit Funktionsadresse als Ansprechpartner für die Auslegung genannt.
Erst nach der Fachfreigabe von Datentabelle und Fallbeschreibungen geht die Broschüre in die gestalterische Abnahme.
Häufige Fragen
Sollen wir technische Daten in der Broschüre oder im Datenblatt zeigen?
Beides, aber mit unterschiedlicher Tiefe. In die Broschüre gehören die Werte, die für die Auswahl entscheidend sind. Das vollständige Datenblatt bleibt die Referenz für alle Details. Beide müssen denselben Datenstand haben, sonst entstehen Widersprüche.
Dürfen wir Einheiten wie Zoll oder PS verwenden?
Im geschäftlichen Verkehr in Deutschland sind Größen grundsätzlich in gesetzlichen Einheiten anzugeben, wenn für sie solche festgelegt sind. Branchenübliche Angaben wie Zoll bei Rohrgewinden kannst du ergänzend nennen. Ob das im Einzelfall genügt, solltest du im Zweifel prüfen lassen.
Wie viele Nutzenargumente sind sinnvoll?
Drei bis fünf sind ein guter Richtwert. Wähle die Argumente, die für die wichtigste Lesergruppe den Ausschlag geben, und lass die übrigen Merkmale in der Datentabelle.
Wer prüft die Broschüre fachlich?
Die Abteilung, die die Daten verantwortet, meist Produktmanagement oder Entwicklung. Lege vorab fest, wer verbindlich freigibt. Wie Korrektorat, Lektorat und Fachprüfung zusammenspielen, beschreiben wir im Beitrag Lektorat und Fachprüfung.
Dein nächster Schritt
Lege die Gliederung neben dein Datenblatt und prüfe, für welche Abschnitte schon Material vorliegt. Die Lücken zeigen dir, wen du ansprechen musst. Wenn du die Broschüre gemeinsam mit uns gestalten möchtest, schick uns dein Vorhaben über die Projektanfrage. Gehört dein Produkt zu einer ganzen Reihe, die du gemeinsam darstellen willst, findest du unser Angebot unter Katalog gestalten lassen.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: § 1 Einheiten- und Zeitgesetz, Anwendungsbereich. Abgerufen am 02.11.2026.
- Bureau International des Poids et Mesures (BIPM): The International System of Units (SI Brochure), 9. Auflage, Abschnitt 5.4. Abgerufen am 02.11.2026.
- Bundesministerium der Justiz: § 5 UWG, Irreführende geschäftliche Handlungen. Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.