Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Inhalte und Texte für Unternehmenspublikationen entwickeln.
Die Gliederung steht, das Material ist gesammelt, und trotzdem zeigt sich erst im Layout, dass das Kapitel über die Fertigung drei Seiten braucht, aber nur eine bekommen hat. Oder dass zwei aufeinanderfolgende Doppelseiten fast dasselbe erzählen. Solche Überraschungen lassen sich vermeiden, wenn du vor der Gestaltung einen Seitenplan erstellst. Er übersetzt die Gliederung in Seiten und macht sichtbar, ob Inhalt und Umfang zusammenpassen.
Kurz gesagt: Ein Seitenplan ordnet jeder Doppelseite eine Leserfrage, einen Inhalt, eine ungefähre Textmenge und den Bildbedarf zu. Du erstellst ihn in drei Schritten: Leserfragen sortieren, Text- und Bildbedarf zuordnen, Übergänge und Umfang testen. Danach weißt du, ob die geplante Seitenzahl reicht und welches Material noch fehlt.
Was ein Seitenplan ist und was nicht
Das Inhaltsverzeichnis zeigt die Reihenfolge der Kapitel. Der Seitenplan geht einen Schritt weiter: Er legt fest, auf welchen Seiten ein Kapitel steht, wie viel Platz es bekommt und was dort konkret zu sehen ist. Er ist noch kein Layout. Er beschreibt Aufgaben und Mengen, nicht Schriften, Farben oder Bildausschnitte. Dafür reicht eine Tabelle oder eine Skizze mit Kästchen für jede Doppelseite.
Die Doppelseite ist dabei die wichtigste Einheit. Wer eine aufgeschlagene Broschüre in der Hand hält, sieht immer zwei Seiten gleichzeitig. Linke und rechte Seite sollten deshalb inhaltlich zusammengehören oder bewusst gegeneinander gesetzt sein.

Schritt 1: Leserfragen sortieren
Grundlage sind die Kernbotschaft und die Fragen deiner Zielgruppe aus dem Briefing. Schreib jede Frage auf eine eigene Zeile und sortiere sie nach der Reihenfolge, in der sie beim Lesen entstehen. Wer eine Unternehmensbroschüre zum ersten Mal aufschlägt, fragt meist zuerst „Wer seid ihr und was macht ihr?“, dann „Was habe ich davon?“, dann „Kann ich euch vertrauen?“ und zuletzt „Wie geht es weiter?“.
- Fasse Fragen zusammen, die dieselbe Antwort brauchen.
- Streiche Fragen, die eure Zielgruppe nicht stellt, auch wenn das Thema intern wichtig ist.
- Markiere die Frage, die über eine Entscheidung bestimmt. Sie verdient den meisten Platz.
- Prüfe, ob jede Frage auf die Kernbotschaft einzahlt.
Aus dieser sortierten Liste wird die Reihenfolge der Doppelseiten. Eine Beispielgliederung mit Seitenaufgaben findest du im Beitrag Aufbau einer Unternehmensbroschüre.
Schritt 2: Text- und Bildbedarf zuordnen
Jetzt bekommt jede Doppelseite eine Zeile im Seitenplan. Diese Vorlage kannst du direkt als Tabelle übernehmen:
| Seiten | Leserfrage | Inhalt | Textanteil | Bilder und Grafiken | Material | Zuständig |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Worum geht es? | Titel | nur Titel und Untertitel | Titelmotiv | offen | Marketing |
| 2 und 3 | Wer seid ihr? | Vorwort und Überblick | ausgewogen | Porträt, Kennzahlen | Text vorhanden | Geschäftsführung |
| 4 und 5 | Was habe ich davon? | Leistungen | textlastig | Schema | Stichpunkte | Vertrieb |
Für den Textanteil reichen drei Stufen: textlastig, ausgewogen und bildbetont. Konkrete Zeichenzahlen legst du am besten erst fest, wenn eine Musterseite im geplanten Format existiert, denn Schriftgröße, Raster und Bildanteil verändern die Menge erheblich. Trage beim Bildbedarf ein, ob ein Motiv schon vorhanden ist oder neu entstehen muss. Wie du Material inventarisierst und Freigaben prüfst, beschreiben wir im Beitrag Inhalte für die Publikation vorbereiten.

Schritt 3: Übergänge und Umfang testen
Ein Seitenplan ist erst brauchbar, wenn du ihn einmal von vorn bis hinten durchgehst, als würdest du blättern. Diese Prüfliste hilft dabei:
- Übergänge: Führt jede Doppelseite logisch zur nächsten? Wiederholt sich ein Inhalt?
- Gewichtung: Bekommt die wichtigste Leserfrage den meisten Platz?
- Rhythmus: Folgen nicht zu viele textlastige Seiten aufeinander? Ein Wechsel aus dichten und ruhigen Seiten erleichtert das Lesen.
- Doppelseiten: Passen linke und rechte Seite jeweils zusammen?
- Umschlag: Sind Titel, Innenseiten des Umschlags und Rückseite eingeplant, etwa für Kontakt und Impressum?
- Seitenzahl: Passt die Gesamtzahl zur Bindung?
Der letzte Punkt ist technisch bedingt. Bei der Klammerheftung besteht eine Broschüre aus gefalzten Bogen, von denen jeder vier Seiten liefert. Die Seitenzahl muss deshalb durch vier teilbar sein. Adobe beschreibt für den Broschürendruck in InDesign, dass ein unvollständiger letzter Bogen mit Leerseiten aufgefüllt wird. Plane den Umfang daher von vornherein in Viererschritten. Mehr dazu liest du im Beitrag zu den Bindungsarten für Broschüren.
Wenn der Plan nicht aufgeht, hast du drei Möglichkeiten: Inhalte kürzen oder zusammenlegen, den Umfang um vier Seiten erweitern oder ein Thema auslagern, zum Beispiel in eine Beilage oder ein PDF.
Beispiel: Seitenplan für eine Imagebroschüre mit 16 Seiten
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Ingenieurbüro für Tragwerksplanung möchte eine Imagebroschüre für Architekturbüros und öffentliche Auftraggeber. Die erste Gliederung hat neun Kapitel, das Briefing sieht 12 Seiten vor. Beim Sortieren der Leserfragen fällt auf, dass „Welche Projekte habt ihr gemacht?“ für die Zielgruppe entscheidend ist, aber nur eine halbe Seite bekommen sollte. Das Team entscheidet sich für 16 Seiten:
| Seiten | Inhalt | Textanteil |
|---|---|---|
| 1 | Titel | bildbetont |
| 2 und 3 | Vorwort und Haltung des Büros | ausgewogen |
| 4 und 5 | Leistungen von der Vorplanung bis zur Bauüberwachung | textlastig |
| 6 bis 11 | Drei Referenzprojekte, je eine Doppelseite | bildbetont |
| 12 und 13 | Arbeitsweise und Zusammenarbeit mit Architekten | ausgewogen |
| 14 und 15 | Team und Ansprechpartner | ausgewogen |
| 16 | Kontakt und Impressum | wenig Text |
Beim Durchblättern zeigt sich, dass die Firmengeschichte keinen eigenen Platz mehr braucht. Zwei Sätze im Vorwort genügen. Für die Referenzprojekte fehlen noch Freigaben der Bauherren, die nun mit Termin in die Materialliste wandern.
Häufige Fragen
Wann sollte der Seitenplan entstehen?
Nach dem Briefing und vor dem Layout. Er setzt voraus, dass Ziel, Zielgruppe und ungefähres Material bekannt sind. Wird er erst während der Gestaltung entwickelt, müssen Seiten häufig neu aufgebaut werden.
Brauche ich für den Seitenplan eine spezielle Software?
Nein. Eine Tabelle in einer Tabellenkalkulation oder ein Blatt Papier mit Kästchen für jede Doppelseite genügt. Wichtig ist, dass alle Beteiligten mit derselben aktuellen Fassung arbeiten.
Wie genau müssen die Textmengen sein?
Für die Planung genügt eine grobe Einteilung in textlastig, ausgewogen und bildbetont. Genaue Zeichenzahlen lassen sich erst festlegen, wenn Format, Schrift und Raster feststehen. Dann kann eine Musterseite zeigen, wie viel Text tatsächlich passt.
Was tun, wenn die Seitenzahl nicht durch vier teilbar ist?
Bei Klammerheftung musst du auf die nächste passende Zahl kürzen oder erweitern. Häufig lässt sich eine Doppelseite zusammenlegen oder ein Thema ergänzen, das ohnehin auf der Wunschliste stand. Bei Klebebindung ist die Seitenzahl flexibler, sie beeinflusst aber die Rückenbreite.
Wer sollte den Seitenplan freigeben?
Die Person, die auch das Briefing verantwortet. Mit der Freigabe des Seitenplans steht fest, welche Inhalte in welchem Umfang geliefert werden müssen. Spätere Änderungen sind möglich, sollten aber bewusst entschieden werden.
Dein nächster Schritt
Lege die Tabelle aus Schritt 2 an und trage deine sortierten Leserfragen ein. Sobald du weißt, wie viel Text jede Doppelseite braucht, geht es an die Texte selbst. Wie du sie aus Stichpunkten und Gesprächen entwickelst, zeigt der Beitrag Aus Stichpunkten und Interviews Texte entwickeln. Wenn du deinen Seitenplan mit uns besprechen und die Publikation umsetzen möchtest, nutze unsere Projektanfrage.
Quellen
- Adobe: Booklet types in InDesign. Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.