Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Kunden- und Mitgliedermagazine redaktionell planen.
Bei der ersten Ausgabe eines Kundenmagazins hat meist jeder den Überblick. Spätestens bei der zweiten überschneiden sich die Arbeiten: Während die Herbstausgabe in der Korrektur ist, sollen schon Interviews für den Winter geführt werden, und niemand weiß genau, ob die Fotos vom Kundenbesuch freigegeben sind. Ein Redaktionsplan bringt Ordnung in diese parallelen Abläufe.
Kurz gesagt: Ein Redaktionsplan verbindet drei Dinge: ein festes Ausgabenprofil, das beschreibt, was in jedes Heft gehört, einen Terminplan pro Ausgabe, der vom Erscheinungstermin rückwärts gerechnet ist, und eine Statusliste, die für jeden Beitrag zeigt, wer zuständig ist und wie weit Material und Freigaben sind. Eine einfache Tabelle reicht dafür aus, wenn sie konsequent gepflegt wird.
Schritt 1: Das Ausgabenprofil festhalten
Das Ausgabenprofil ist die Vorlage, aus der jede einzelne Ausgabe entsteht. Es legt fest, welche Rubriken mit welchem Umfang in jedem Heft vorkommen und welche Plätze für wechselnde Themen frei bleiben. Halte darin mindestens diese Punkte fest:
- Format, Gesamtumfang und Bindung, zum Beispiel 20 Seiten mit Klammerheftung
- Erscheinungsrhythmus und geplante Erscheinungstermine für ein Jahr
- feste Rubriken mit Seitenzahl und Position im Heft
- Platz für das Schwerpunktthema und seinen ungefähren Umfang
- Seiten für Anzeigen, Impressum und Inhaltsverzeichnis
- Verantwortliche für Redaktionsplan, Inhalte und Endfreigabe
- Auflage, Versandweg und Ausgabeform, etwa gedruckt und als PDF
Aus dem Profil lässt sich für jede Ausgabe ein Seitenplan ableiten. Weil die festen Rubriken immer an derselben Stelle stehen, muss nur der variable Teil neu verteilt werden. Das Impressum gehört als fester Posten dazu. Die Landespressegesetze schreiben für Zeitschriften bestimmte Angaben vor, in Bayern zum Beispiel die verantwortlichen Redakteure auf jeder Nummer. Welche Angaben für dein Magazin gelten, solltest du im Zweifel rechtlich prüfen lassen.

Schritt 2: Beiträge terminieren
Für jede Ausgabe rechnest du vom Erscheinungstermin rückwärts: Versand, Druck, Druckfreigabe, Korrekturrunden, Satz, Redaktionsschluss für Texte und Bilder, Termine für Interviews und Fotos. Wie diese Meilensteine zusammenhängen, beschreiben wir ausführlich im Beitrag Zeitplan für eine Publikation.
Beim Magazin kommt eine Besonderheit hinzu: Die Ausgaben überlappen sich. Während eine Ausgabe gestaltet wird, beginnt die Recherche für die nächste. Plane deshalb pro Beitrag einen eigenen Abgabetermin statt nur einen Redaktionsschluss für das ganze Heft. Beiträge mit externer Beteiligung, etwa Interviews mit Kunden oder Gastbeiträge von Mitgliedern, brauchen den frühesten Termin, weil Absprachen und Freigaben länger dauern.
Ergänzend lohnt sich ein Themenvorrat: eine Liste mit Ideen, die keinem Termin unterliegen und kurzfristig einspringen können, wenn ein geplanter Beitrag ausfällt. Zeitlose Praxistipps oder ein Blick hinter die Kulissen eignen sich dafür besonders.
Schritt 3: Material- und Freigabestatus führen
Der eigentliche Nutzen des Redaktionsplans liegt im Status. Eine Tabelle mit diesen Spalten hat sich bewährt:
| Spalte | Inhalt | Hinweis |
|---|---|---|
| Ausgabe und Rubrik | In welchem Heft und an welcher Stelle erscheint der Beitrag? | Bezeichnungen aus dem Ausgabenprofil übernehmen |
| Thema | Arbeitstitel und Leserfrage in einem Satz | Hilft bei späteren Kürzungen |
| Umfang | Seiten und ungefähre Zeichenzahl | Vor dem Schreiben festlegen |
| Zuständig | Wer liefert Text, wer Bilder? | Eine Person pro Aufgabe, nicht eine Abteilung |
| Abgabe | Termin für Text und Bilder | Externe Beiträge früher terminieren |
| Status | Idee, beauftragt, Entwurf da, in Prüfung, freigegeben, im Layout | Feste Stufen, keine freien Kommentare |
| Freigaben | Wer muss zustimmen: Fachabteilung, Interviewpartner, Abgebildete? | Offene Freigaben farbig markieren |
Ein Beitrag geht erst in den Satz, wenn der Status „freigegeben“ lautet. Fehlt eine Freigabe zum Redaktionsschluss, entscheidest du bewusst: verschieben, durch einen Beitrag aus dem Themenvorrat ersetzen oder mit geändertem Inhalt bringen. So entstehen keine Lücken im fertigen Layout. Wie die fachliche Prüfung und das Korrekturlesen aufgeteilt werden, beschreibt der Beitrag Korrektorat, Lektorat und Fachprüfung.

Beispiel: Redaktionsplan für eine Herbstausgabe
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Fachhändler für Landtechnik gibt zweimal im Jahr ein Kundenmagazin mit 20 Seiten heraus. Das Ausgabenprofil sieht ein Schwerpunktthema, eine Anwendergeschichte, eine Werkstattseite, Neuigkeiten aus den Filialen und Termine vor. Für die Herbstausgabe sieht der Plan einige Wochen vor Redaktionsschluss so aus:
| Rubrik | Thema | Zuständig | Status | Offene Freigabe |
|---|---|---|---|---|
| Schwerpunkt | Maschinen sicher einwintern | Werkstattleiter liefert Fakten, Text extern | Entwurf da | Fachprüfung Werkstatt |
| Anwendergeschichte | Ein Lohnunternehmen stellt seinen Fuhrpark um | Vertrieb vermittelt, Text extern | Interview geführt | Zitate und Fotos beim Kunden |
| Werkstattseite | Reifendruck richtig einstellen | Werkstatt | beauftragt | keine |
| Aus den Filialen | Neue Ansprechpartner, Umbau einer Filiale | Marketing | freigegeben | keine |
| Termine | Hausmessen und Schulungen | Marketing | Idee | Termine noch nicht bestätigt |
Auf einen Blick ist klar, wo es hakt: Die Anwendergeschichte hängt an der Freigabe des Kunden, und die Termine sind noch offen. Das Marketing fragt beim Kunden nach und legt fest, dass unbestätigte Termine nicht gedruckt, sondern mit Verweis auf die Website ersetzt werden. Ein Praxistipp aus dem Themenvorrat liegt bereit, falls die Anwendergeschichte nicht rechtzeitig freigegeben wird.
Häufige Fragen
Welches Werkzeug eignet sich für einen Redaktionsplan?
Eine gemeinsam genutzte Tabelle reicht für die meisten Magazine. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass es eine einzige gültige Fassung gibt, auf die alle zugreifen, und dass eine Person für die Pflege verantwortlich ist. Projektmanagement-Software lohnt sich erst, wenn viele Beteiligte gleichzeitig arbeiten.
Wie weit im Voraus sollte geplant werden?
Die Erscheinungstermine sollten für ein Jahr feststehen, die Schwerpunktthemen mindestens für die nächsten zwei Ausgaben. Einzelne Beiträge planst du verbindlich für die aktuelle und die folgende Ausgabe. Weiter im Voraus genügt der Themenvorrat.
Was passiert, wenn ein Beitrag zu lang wird?
Dann wird gekürzt, nicht das Layout gedehnt. Deshalb steht der Umfang schon im Redaktionsplan, bevor geschrieben wird. Wenn ein Thema mehr Platz verdient, entscheidest du bewusst, welcher andere Beitrag dafür entfällt oder in die nächste Ausgabe wandert.
Wer sollte den Redaktionsplan führen?
Eine Person mit Überblick über alle Beiträge und der Befugnis, nachzufragen und Termine anzumahnen. In kleinen Teams ist das oft die Person aus dem Marketing oder der Geschäftsstelle, die das Magazin koordiniert. Sie muss nicht selbst schreiben, aber Entscheidungen herbeiführen können.
Dein nächster Schritt
Lege die Statustabelle aus Schritt 3 an und trage die Beiträge deiner nächsten Ausgabe ein. Welche Rubriken dauerhaft in dein Ausgabenprofil gehören, zeigt der Beitrag Rubriken und Themen entwickeln. Wenn du Gestaltung, Satz und Produktion deines Magazins mit uns planen möchtest, beschreib dein Vorhaben über die Projektanfrage.
Quellen
- Bayerische Staatskanzlei: Bayerisches Pressegesetz, Art. 8 Impressum bei Zeitungen und Zeitschriften. Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.