Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Kataloge konzipieren: Sortiment, Produktdaten und Orientierung.
Ein Kunde ruft an und nennt eine Artikelnummer von seiner letzten Rechnung. Eine Technikerin sucht eine Alternative zu einem Produkt, das nicht mehr lieferbar ist. Ein Einkäufer weiß nur, wofür er etwas braucht, aber nicht, wie es heißt. Alle drei nehmen denselben Katalog in die Hand, und alle drei suchen auf einem anderen Weg. Ein Katalog, der nur einen dieser Wege kennt, lässt zwei von drei Lesern allein.
Kurz gesagt: Gute Orientierung im Katalog entsteht aus einer klaren Hauptgliederung und mehreren zusätzlichen Zugängen. Prüfe zuerst, ob die Kapitel so heißen, wie deine Kunden denken. Ergänze dann für jede typische Suchfrage ein passendes Werkzeug, etwa ein Register oder einen Querverweis. Und teste das Ergebnis mit echten Suchaufgaben, bevor der Katalog in den Druck geht.
Schritt 1: Sortimentslogik prüfen
Die Kapitelstruktur ist der wichtigste Orientierungsweg. Sie wird oft aus internen Strukturen übernommen: aus Warengruppen im ERP, aus Lieferantenlisten oder aus der Organisation der Produktion. Für Leser sind diese Ordnungen nicht immer nachvollziehbar. Diese Fragen helfen dir bei der Prüfung:
- Würde ein Kunde das Kapitel unter diesem Namen suchen, oder ist es ein interner Begriff?
- Lässt sich jeder Artikel eindeutig einem Kapitel zuordnen? Wenn viele Artikel in zwei Kapitel passen, ist die Ordnung nicht trennscharf.
- Sind die Kapitel ungefähr vergleichbar groß? Ein Kapitel mit 200 Seiten neben einem mit vier Seiten deutet auf eine unausgewogene Gliederung hin.
- Stimmt die Reihenfolge mit dem Ablauf beim Kunden überein, etwa vom Grundprodukt zum Zubehör?
Eine einfache Methode ist, Kapitelnamen und eine Auswahl von Artikeln auf Karten zu schreiben und zwei oder drei Personen aus Vertrieb oder Kundenservice sortieren zu lassen. Wo sie zögern oder unterschiedlich zuordnen, ist die Gliederung unklar.

Schritt 2: Such- und Vergleichswege gestalten
Jede typische Suchfrage braucht einen eigenen Weg. Die folgende Übersicht ordnet Suchfragen den passenden Werkzeugen im Katalog zu.
| Suchfrage des Lesers | Werkzeug im Katalog | Hinweis zur Umsetzung |
|---|---|---|
| „Wo finde ich Produkte für diese Aufgabe?“ | Inhaltsverzeichnis und Kapitelübersichten | Kapitelanfang mit kurzer Übersicht der Produktgruppen und Seitenzahlen. |
| „In welchem Kapitel bin ich gerade?“ | Kapitelmarken am Seitenrand, Seitenkopf mit Kapitelname | Marken auch bei geschlossenem Katalog am Schnitt sichtbar platzieren. |
| „Ich habe eine Artikelnummer.“ | Artikelnummernregister | Numerisch sortiert, mit Seitenzahl. Bei großen Sortimenten mehrspaltig. |
| „Ich kenne nur den Namen oder einen Begriff.“ | Stichwortregister | Auch gängige Synonyme und Kundenbegriffe aufnehmen. |
| „Was passt dazu?“ | Querverweise auf Zubehör | Direkt beim Produkt, mit Seitenzahl oder Artikelnummer. |
| „Welche Variante ist die richtige?“ | Vergleichstabellen | Einheitliche Merkmale in gleicher Reihenfolge, Unterschiede hervorheben. |
Wie du Vergleichstabellen so aufbaust, dass Unterschiede auf einen Blick sichtbar werden, erklärt der Beitrag Produktvergleich gestalten.
Querverweise gezielt setzen
Querverweise sind wertvoll, wenn sie sparsam eingesetzt werden. Ein Verweis bei jedem Produkt auf jedes verwandte Produkt macht Seiten unruhig. Beschränke dich auf Zubehör, das zwingend gebraucht wird, und auf Alternativen, wenn ein Produkt für bestimmte Anwendungen nicht geeignet ist. Im Stichwortregister gilt eine bewährte Unterscheidung, die auch InDesign bei der Registererstellung kennt: „siehe“ verweist von einem Begriff, unter dem nichts steht, auf den gebräuchlichen Begriff. „Siehe auch“ ergänzt einen Eintrag um verwandte Einträge. Beide verweisen auf andere Einträge, nicht auf Seitenzahlen. Für Aufbau und Gestaltung von Registern gibt die internationale Norm ISO 999 Leitlinien.

Schritt 3: Register an realen Aufgaben testen
Ob die Orientierung funktioniert, zeigt sich erst bei der Benutzung. Ein kurzer Test mit einem Probeausdruck oder PDF genügt. Formuliere dafür Aufgaben, die echte Kundenfragen abbilden, und lass sie von Personen lösen, die den Katalog nicht mitentwickelt haben.
- Aufgaben sammeln: Frage Vertrieb und Kundenservice nach den zehn häufigsten Anfragen. Formuliere daraus Suchaufgaben, zum Beispiel „Finde den Artikel 4711-20“ oder „Finde eine Befestigung für Gipskarton“.
- Suchwege mischen: Die Aufgaben sollten verschiedene Wege abdecken: Artikelnummer, Begriff, Anwendung und Zubehör.
- Beobachten statt erklären: Notiere, wo gesucht wird, wo jemand zögert und welcher Begriff erwartet wurde.
- Lücken schließen: Fehlende Synonyme ins Stichwortregister aufnehmen, missverständliche Kapitelnamen anpassen, fehlende Querverweise ergänzen.
- Nach Änderungen wiederholen: Wenn sich Seitenzahlen verschieben, müssen Register und Querverweise neu geprüft werden. Wie du solche Folgen bei einer Aktualisierung im Blick behältst, zeigt der Beitrag Katalog aktualisieren.
Beispiel: Ein Elektrogroßhandel testet seinen Katalog
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Elektrogroßhandel hat seinen Installationskatalog nach Herstellern gegliedert. Vor der Neuauflage lässt das Marketing drei Personen aus dem Kundenservice zwölf Suchaufgaben lösen. Artikelnummern werden über das Register schnell gefunden. Bei der Aufgabe „Finde einen Bewegungsmelder für den Außenbereich“ blättern alle drei durch mehrere Herstellerkapitel. Das Stichwortregister führt die Produkte nur unter den Herstellerbezeichnungen, den Begriff „Bewegungsmelder“ sucht man dort vergeblich.
Das Team entscheidet sich für eine Gliederung nach Anwendungsbereichen, in diesem Fall Schalter und Steckdosen, Melder und Sensoren, Leuchten sowie Verteiler. Herstellernamen bleiben als Merkmal in den Tabellen. Das Stichwortregister wird um Kundenbegriffe ergänzt, und jeder Melder erhält einen Verweis auf passendes Montagezubehör. Ein zweiter Test mit denselben Aufgaben zeigt, dass alle Aufgaben ohne Umwege gelöst werden.
Häufige Fragen
Ab welchem Umfang braucht ein Katalog ein Register?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Sobald Leser einzelne Artikel gezielt suchen und der Katalog mehr als einige Dutzend Seiten hat, lohnt sich mindestens ein Artikelnummernregister. Bei kleineren Katalogen kann ein ausführliches Inhaltsverzeichnis genügen.
Was ist der Unterschied zwischen Inhaltsverzeichnis und Register?
Das Inhaltsverzeichnis folgt der Reihenfolge der Kapitel und zeigt die Struktur des Katalogs. Ein Register ist alphabetisch oder numerisch sortiert und erschließt den Inhalt unabhängig von dieser Struktur. Beide ergänzen sich und ersetzen sich nicht gegenseitig.
Wie viele Kapitelmarken oder Farben sind sinnvoll?
So viele, wie Leser sicher unterscheiden können. Bei Farbleitsystemen werden ähnliche Farbtöne schnell verwechselt. Bei vielen Kapiteln helfen zusätzlich Kapitelnummern oder kurze Bezeichnungen auf der Marke. Farbe sollte nie der einzige Hinweis sein, weil nicht alle Menschen Farben gleich gut unterscheiden.
Lassen sich Register automatisch erstellen?
Satzprogramme wie InDesign können Register aus markierten Einträgen erzeugen und die Seitenzahlen bei Änderungen aktualisieren. Welche Begriffe ins Register gehören und welche Synonyme ergänzt werden, bleibt eine redaktionelle Entscheidung. Die Auswahl der Einträge ist deshalb Teil der Konzeption und nicht nur ein technischer Schritt.
Dein nächster Schritt
Sammle die zehn häufigsten Suchanfragen aus Vertrieb und Kundenservice und ordne jeder Anfrage einen Suchweg aus der Tabelle zu. Wo kein Weg passt, fehlt ein Werkzeug. Welche Grundentscheidungen vorher fallen sollten, zeigt der Themenschwerpunkt Kataloge konzipieren. Wenn du deinen Katalog mit uns neu ordnen und umsetzen möchtest, nutze unsere Projektanfrage.
Quellen
- International Organization for Standardization: ISO 999:1996, Guidelines for the content, organization and presentation of indexes. Abgerufen am 02.11.2026.
- Adobe: Creating an index (InDesign). Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.