Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Kunden- und Mitgliedermagazine redaktionell planen.
Anwendergeschichten gehören zu den Beiträgen, die in Kunden- und Mitgliedermagazinen am meisten Vertrauen schaffen. Leser erfahren von jemandem in einer ähnlichen Lage, wie ein Problem gelöst wurde. Gleichzeitig sind sie aufwendig: Ein Termin muss gefunden, das Gespräch geführt, der Text geschrieben und von mehreren Seiten freigegeben werden. Wer diese Schritte vorher plant, vermeidet, dass eine fertige Geschichte kurz vor Druck an einer fehlenden Zustimmung scheitert.
Kurz gesagt: Bereite jedes Kundeninterview mit einem Leitfaden vor, der Ausgangslage, Entscheidung, Umsetzung und Ergebnis abfragt. Prüfe nach dem Gespräch Zitate, Zahlen und Namen gegen Notizen oder Belege. Kläre schon bei der Anfrage, wer Text und Fotos freigibt und dass Abgebildete der Veröffentlichung zustimmen müssen. Plane für die Freigabe beim Kunden ausreichend Zeit ein.
Schritt 1: Gesprächsleitfaden erstellen
Eine Anwendergeschichte folgt fast immer demselben Bogen: Wie war die Lage vorher, warum fiel die Entscheidung, wie lief die Umsetzung, was hat sich verändert? Der Leitfaden orientiert sich an diesem Bogen und bleibt kurz genug, um ihn vorab an den Gesprächspartner zu schicken:
- Ausgangslage: Was war die Aufgabe oder das Problem? Woran habt ihr gemerkt, dass sich etwas ändern muss?
- Entscheidung: Welche Möglichkeiten habt ihr geprüft? Was hat am Ende den Ausschlag gegeben?
- Umsetzung: Wie lief die Einführung? Was war schwieriger als gedacht?
- Ergebnis: Was ist heute anders? Gibt es Zahlen, die das zeigen, und dürfen sie genannt werden?
- Rat an andere: Was würdet ihr anderen in derselben Lage empfehlen?
Frag im Gespräch nach konkreten Situationen: „Können Sie einen typischen Tag vorher und nachher beschreiben?“ liefert mehr als „Sind Sie zufrieden?“. Gerade die Frage nach Schwierigkeiten macht eine Geschichte glaubwürdig, weil sie zeigt, dass nicht alles glatt lief.
Wenn du das Gespräch aufzeichnen möchtest, frag vorher um Erlaubnis. Das unbefugte Aufnehmen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist nach § 201 Strafgesetzbuch strafbar. Wie du aus Gesprächsnotizen einen Text entwickelst, beschreibt der Beitrag Aus Stichpunkten und Interviews veröffentlichungsfähige Texte entwickeln.

Schritt 2: Zitate und Sachverhalte prüfen
Nach dem Gespräch entsteht entweder ein Interview in Frage und Antwort oder eine erzählte Geschichte mit eingebauten Zitaten. In beiden Fällen gilt: Das Gesagte muss richtig wiedergegeben sein. Der Pressekodex nennt das als Maßstab für ein korrektes Wortlautinterview, und er ist auch für Kundenmagazine eine gute Richtschnur. Diese Prüfliste hilft vor der Freigabe:
| Prüfpunkt | Wer prüft | Worauf achten |
|---|---|---|
| Namen, Funktionen, Firmierung | Redaktion mit dem Kunden | Schreibweise und aktuelle Funktion bestätigen lassen |
| Wörtliche Zitate | Interviewpartner | Sinn erhalten, sprachlich glätten ist üblich |
| Zahlen und Ergebnisse | Kunde und eigene Fachabteilung | Bezugsgröße und Zeitraum nennen, nur belegte Werte |
| Technische Angaben | eigene Fachabteilung | Produktnamen und Leistungsdaten abgleichen |
| Vertrauliches | Kunde | Hinweise auf Partner, Preise oder interne Abläufe streichen |
Lass Zahlen, die im Gespräch genannt wurden, nicht ungeprüft stehen. Sagt ein Kunde „Wir sparen etwa ein Drittel“, frag nach, worauf sich das bezieht und ob die Angabe veröffentlicht werden darf. Sonst formulierst du qualitativ. Wie die Prüfung zwischen Fachabteilung und Lektorat aufgeteilt wird, zeigt der Beitrag Korrektorat, Lektorat und Fachprüfung.

Schritt 3: Bilder und Freigabe abstimmen
Eine Anwendergeschichte lebt von eigenen Fotos: die Menschen, der Ort, die Lösung im Einsatz. Für Bilder von Personen gilt nach § 22 Kunsturhebergesetz grundsätzlich, dass sie nur mit Einwilligung der Abgebildeten verbreitet werden dürfen. Dazu kommen datenschutzrechtliche Fragen. Hol die Einwilligung schriftlich ein und kläre im Zweifel rechtlich, was sie abdecken muss. Bei Aufnahmen auf dem Gelände des Kunden braucht es außerdem dessen Zustimmung, und auch der Fotograf muss die Nutzung im Magazin erlaubt haben.
Lege den Freigabeweg schon bei der ersten Anfrage fest:
- Wer beim Kunden gibt den Text frei: die interviewte Person, die Geschäftsführung oder die Unternehmenskommunikation?
- Wer gibt die Bilder frei, und liegen die Einwilligungen der abgebildeten Personen vor?
- Bekommt der Kunde nur den Text oder auch die gestaltete Seite zur Ansicht?
- Bis wann muss die Freigabe vorliegen, damit der Beitrag in die geplante Ausgabe kommt?
- Was passiert, wenn die Freigabe ausbleibt: Verschiebung oder Ersatzbeitrag?
Trage Freigaben und Termine im Redaktionsplan ein. Größere Unternehmen haben oft eigene Abstimmungswege über Pressestelle oder Rechtsabteilung, die mehr Zeit brauchen als das Gespräch selbst.
Beispiel: Von der Anfrage zur freigegebenen Anwendergeschichte
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Hersteller von Industrieböden plant für sein Kundenmagazin eine Geschichte über eine mittelgroße Brauerei, deren Abfüllhalle einen neuen Boden bekommen hat. Der Vertrieb fragt den Betriebsleiter an. Mit der Zusage wird festgehalten: Text gibt der Betriebsleiter frei, Fotos zusätzlich die Geschäftsführung der Brauerei, Mitarbeitende im Bild unterschreiben eine Einwilligung.
Im Gespräch erzählt der Betriebsleiter, dass die Halle während der Sanierung nur an zwei Wochenenden stillstehen durfte und dass die Reinigung jetzt deutlich schneller gehe. Die Redakteurin fragt nach: Gibt es dafür eine Messung? Es gibt keine. Im Text steht deshalb: „Nach Einschätzung des Betriebsleiters ist die tägliche Reinigung spürbar kürzer geworden.“ Die Angabe zur Bauzeit an zwei Wochenenden wird mit dem eigenen Projektleiter abgeglichen und bleibt drin.
Der Text geht mit einer Frist an die Brauerei, die Fotos werden beim Termin nur mit Beschäftigten gemacht, die zugestimmt haben. Die Geschäftsführung bittet, den Namen eines Zulieferers zu streichen. Danach ist der Beitrag freigegeben und geht in den Satz.
Häufige Fragen
Darf ich Zitate sprachlich bearbeiten?
Ja, Füllwörter, Wiederholungen und abgebrochene Sätze werden üblicherweise geglättet. Der Sinn muss aber erhalten bleiben. Deshalb sollte der Interviewpartner seine Zitate vor der Veröffentlichung sehen und bestätigen.
Wie lange sollte ein Kundeninterview dauern?
Für eine Anwendergeschichte von ein bis zwei Seiten reichen meist 30 bis 45 Minuten, wenn der Leitfaden vorher verschickt wurde. Plane zusätzlich Zeit für einen Rundgang ein, wenn vor Ort fotografiert wird.
Was tun, wenn der Kunde den Text stark umschreibt?
Kläre vorher, dass die Freigabe sich auf Fakten und Zitate bezieht, nicht auf den Stil. Wenn trotzdem umfangreiche Änderungen kommen, sprich sie im Gespräch durch. Oft steckt dahinter eine Sorge, etwa vor zu vielen internen Details, die sich gezielt lösen lässt.
Brauche ich für jedes Foto eine schriftliche Einwilligung?
Für Fotos, auf denen Personen erkennbar im Mittelpunkt stehen, solltest du die Einwilligung dokumentieren. Für Gruppenbilder bei Veranstaltungen oder Personen als Beiwerk gelten nach dem Kunsturhebergesetz Ausnahmen. Ob eine Ausnahme greift, ist im Einzelfall zu prüfen, im Zweifel rechtlich.
Dein nächster Schritt
Passe den Leitfaden aus Schritt 1 an dein nächstes Gespräch an und kläre den Freigabeweg schon bei der Anfrage. Wie Anwendergeschichten ins Gerüst deines Magazins passen, zeigt der Beitrag Rubriken und Themen entwickeln. Wenn wir dein Magazin gestalten und produzieren sollen, beschreib dein Vorhaben über die Projektanfrage.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: § 201 Strafgesetzbuch, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes. Abgerufen am 02.11.2026.
- Bundesministerium der Justiz: § 22 Kunsturhebergesetz, Recht am eigenen Bilde. Abgerufen am 02.11.2026.
- Bundesministerium der Justiz: § 23 Kunsturhebergesetz, Ausnahmen zu § 22. Abgerufen am 02.11.2026.
- Deutscher Presserat: Pressekodex, Richtlinie 2.4 Interview. Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.