Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Typografie und Lesbarkeit in Printpublikationen.
Eine Broschüre in drei Sprachen ist nicht dreimal dieselbe Arbeit mit anderem Text. Jede Sprache bringt eigene Regeln für Silbentrennung, Anführungszeichen, Zahlen und Leerzeichen mit, und fast jede Übersetzung braucht etwas mehr oder weniger Platz als das Original. Wer das erst beim Einsetzen der Übersetzung bemerkt, muss Seiten umbauen, oft kurz vor dem Drucktermin.
Kurz gesagt: Plane das Layout von Anfang an für die längste Sprachfassung, weise jedem Text im Layoutprogramm die richtige Sprache zu und lege für jede Sprache eigene Formate an. Lass jede Fassung nach dem Satz von einer muttersprachlichen Person im fertigen Layout prüfen, nicht nur im Übersetzungsdokument.
Sprachspezifische Regeln prüfen
Sprachzuweisung und Silbentrennung
Layoutprogramme trennen Wörter anhand von Wörterbüchern. In Adobe InDesign wird die Sprache dem Text selbst zugewiesen, und nach dieser Zuweisung richten sich Silbentrennung und Rechtschreibprüfung. Wir legen sie deshalb im Absatzformat fest, nicht von Hand an einzelnen Stellen. Ist einem englischen Text die Sprache Deutsch zugewiesen, trennt das Programm nach deutschen Regeln und erzeugt falsche Trennungen. Prüfe deshalb vor dem Satz jeder Fassung, ob alle Formate die richtige Sprache tragen, auch Bildunterschriften und Tabellen.
Lange zusammengesetzte Wörter, wie sie im Deutschen häufig sind, lassen sich ohne Trennung kaum umbrechen. Das W3C weist darauf hin, dass solche Wörter in schmalen Spalten zur Herausforderung für das Layout werden. Wie du Trennungen und Wortabstände sauber einstellst, erklärt der Beitrag Blocksatz und Silbentrennung.
Anführungszeichen und Leerzeichen
Jede Sprache hat eigene Anführungszeichen. Im Deutschen sind „so“ oder »so« üblich, im Englischen “so”, im Französischen « so » mit Leerzeichen innerhalb der Zeichen. Auch innerhalb einer Sprache gibt es Varianten, etwa in der Schweiz. Im Französischen steht außerdem vor Doppelpunkt, Semikolon, Frage- und Ausrufezeichen ein geschütztes Leerzeichen, das den Umbruch an dieser Stelle verhindert. Ob dafür ein normales oder ein schmales Leerzeichen verwendet wird, regeln Hausstile unterschiedlich. Mehr zu geschützten Leerzeichen findest du im Beitrag Geschützte Leerzeichen für Zahlen, Einheiten und Abkürzungen.
Zahlen, Datum und Einheiten
Dezimal- und Tausendertrennzeichen unterscheiden sich: Im Deutschen schreibt man 1.250,5, im Englischen 1,250.5, im Französischen 1 250,5 mit Leerzeichen als Tausendertrennung. Ebenso unterscheiden sich Datumsformate, etwa 03.11.2026 im Deutschen und 11/03/2026 im amerikanischen Englisch. In Tabellen kann eine falsch formatierte Zahl einen ganz anderen Wert bedeuten. Kläre deshalb vorab, ob Zahlen übersetzt oder aus einer gemeinsamen Datenquelle übernommen werden.
Sonderzeichen und Zeichenvorrat der Schrift
Nicht jede Schrift enthält alle Zeichen, die eine Sprache braucht. Polnisch verwendet etwa ą, ę, ł und ż, Tschechisch ř und ů, Türkisch das punktlose ı und das große İ. Fehlt ein Zeichen in der Hausschrift, ersetzt das Layoutprogramm es durch eine andere Schrift oder markiert es als fehlend. Prüfe den Zeichenvorrat deshalb vor der Schriftentscheidung mit einem Mustertext in jeder geplanten Sprache. Sprachen mit anderer Schreibrichtung oder anderem Schriftsystem, etwa Arabisch oder Chinesisch, brauchen eigene Schriften, eigene Satzregeln und eine spezialisierte Prüfung.

Längere Fassungen testen
Übersetzungen sind selten gleich lang wie das Original. Das W3C gibt Daten von IBM wieder, nach denen englische Texte bei der Übersetzung in europäische Sprachen deutlich wachsen. Je kürzer der Ausgangstext, desto größer ist der Zuwachs: Einzelne Wörter und kurze Beschriftungen können doppelt bis dreimal so lang werden, längere Texte mit mehr als 70 Zeichen im Schnitt um etwa 30 Prozent. Diese Werte beziehen sich auf Englisch als Ausgangssprache. Für andere Sprachpaare gelten andere Verhältnisse, deshalb ist ein Test mit echtem Text zuverlässiger als jede Faustregel.
Für den Satz heißt das:
- Kritisch sind vor allem kurze Texte mit fester Breite: Überschriften, Störer auf Titelseiten, Tabellenköpfe, Grafikbeschriftungen und Inhaltsverzeichnisse.
- Lege das Layout mit der voraussichtlich längsten Fassung an oder setze früh eine Probeseite in dieser Sprache.
- Plane in Textrahmen und Tabellen Reserven ein, statt jede Seite randvoll zu füllen.
- Vereinbare mit der Übersetzung Zeichengrenzen für feste Elemente wie Überschriften und Tabellenköpfe.

Fachprüfung und Formatlogik abstimmen
Eine Übersetzung kann sprachlich einwandfrei sein und im Layout trotzdem Fehler haben: falsche Trennungen, abgeschnittene Zeilen, vertauschte Bildunterschriften oder Zahlen aus der falschen Fassung. Deshalb gehört zu jeder Sprachfassung eine Prüfung im gesetzten PDF durch eine muttersprachliche Person mit Fachkenntnis. Damit dieser Ablauf funktioniert, sollte die Formatlogik für alle Sprachen gleich aufgebaut sein: gleiche Formatnamen, je Sprache mit eigener Sprachzuweisung und bei Bedarf eigenen Trenneinstellungen.
| Prüfpunkt | Was schiefgehen kann | Wer prüft |
|---|---|---|
| Sprachzuweisung aller Formate | Trennungen nach den Regeln der falschen Sprache | Satz |
| Zeichenvorrat der Schrift | fehlende oder ersetzte Sonderzeichen | Satz, vor der Schriftentscheidung |
| Anführungszeichen und Leerzeichen | Zeichen der Ausgangssprache bleiben stehen | Satz und Muttersprachler |
| Zahlen, Einheiten, Datum | falsche Trennzeichen, falsche Werte in Tabellen | Fachabteilung |
| Textlänge und Umbruch | Übersatz, abgeschnittene Überschriften, gequetschte Tabellen | Satz |
| Fachbegriffe im Layout | uneinheitliche Begriffe zwischen Text, Grafik und Tabelle | Fachprüfung je Sprache |
| Gesamteindruck im PDF | Fehler, die erst im Zusammenhang auffallen | Muttersprachler im gesetzten PDF |
Beispiel: Produktbroschüre in vier Sprachen
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Hersteller von Pumpen plant eine Produktbroschüre mit 12 Seiten in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch. Ausgangssprache ist Deutsch. Jede Sprache erscheint als eigene Ausgabe mit gleichem Layout.
- Schrift: Ein Mustertext mit polnischen Sonderzeichen zeigt, dass die bisherige Hausschrift ł und ą enthält. Sie kann bleiben.
- Platzbedarf: Nach der Übersetzung der ersten Doppelseite ist die französische Fassung die längste. Das Team legt die übrigen Seiten mit dieser Fassung als Maßstab an und lässt in jedem Textrahmen einige Zeilen Reserve.
- Tabellen: Die technischen Daten kommen für alle Sprachen aus einer gemeinsamen Datei. Nur die Spaltenköpfe werden übersetzt, die Zahlenformate passt der Satz je Sprache an.
- Formate: Alle Absatzformate gibt es in vier Sprachfassungen mit gleichem Namen und eigener Sprachzuweisung.
- Prüfung: Jede Fassung wird von einer muttersprachlichen Person aus dem jeweiligen Vertrieb im gesetzten PDF geprüft. Erst danach folgt die Druckfreigabe.
Weil die längste Fassung früh feststand, mussten nach der Übersetzung keine Seiten neu aufgebaut werden.
Häufige Fragen
Wie viel Platz sollte ich für Übersetzungen einplanen?
Eine feste Zahl gibt es nicht, weil sie von Sprachpaar und Textart abhängt. Kurze Texte wie Überschriften wachsen in der Übersetzung meist stärker als lange Absätze. Am zuverlässigsten ist es, eine Doppelseite früh übersetzen zu lassen und das Layout an der längsten Fassung auszurichten.
Ist eine mehrsprachige Ausgabe oder je Sprache eine eigene Ausgabe besser?
Das hängt von der Verteilung ab. Getrennte Ausgaben lesen sich angenehmer und sind leichter zu aktualisieren. Eine gemeinsame Ausgabe mit mehreren Sprachen spart Varianten, macht die Seiten aber voller und den Satz aufwendiger. Für Messen und internationale Vertriebswege beschreiben wir die Abwägung im Beitrag zu mehrsprachigen Messeunterlagen.
Warum trennt das Layoutprogramm englische Wörter falsch?
Meist ist dem Text die falsche Sprache zugewiesen, etwa weil er in ein deutsches Absatzformat eingefügt wurde. Das Programm trennt dann nach deutschen Regeln. Lege für jede Sprache eigene Formate mit der richtigen Sprachzuweisung an.
Reicht es, wenn die Übersetzung geprüft wurde?
Nein. Beim Einsetzen in das Layout können neue Fehler entstehen: falsche Trennungen, gekürzte Zeilen oder Zeichen, die die Schrift nicht enthält. Deshalb sollte eine muttersprachliche Person auch das gesetzte PDF prüfen.
Dein nächster Schritt
Lass eine typische Doppelseite in alle geplanten Sprachen übersetzen, bevor die Gestaltung festgelegt wird, und prüfe damit Platzbedarf und Zeichenvorrat. Die Grundlagen zu Schrift und Lesbarkeit findest du im Themenschwerpunkt Typografie und Lesbarkeit. Wenn wir Gestaltung und Satz deiner Sprachfassungen übernehmen sollen, beschreib uns dein Vorhaben über die Projektanfrage.
Quellen
- W3C Internationalization: Text size in translation. Abgerufen am 03.11.2026.
- Adobe: InDesign Benutzerhandbuch, Assign a language to text. Abgerufen am 03.11.2026.
- OECD: Guide de style de l’OCDE, quatrième édition, Ponctuation. Abgerufen am 03.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.