Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Typografie und Lesbarkeit in Printpublikationen.
Wer eine Broschüre oder einen Bericht aufschlägt, liest selten von vorn nach hinten. Der Blick springt zur Überschrift, streift den Vorspann, bleibt an einer Zwischenüberschrift hängen und liest dann vielleicht eine Bildunterschrift. Ob dieses Springen gelingt, hängt an der Schrifthierarchie: an klar unterscheidbaren Ebenen, die zeigen, was wichtig ist und was wozu gehört.
Kurz gesagt: Lege zuerst fest, welche Textarten deine Publikation braucht, und beschränke dich auf so wenige Ebenen wie möglich. Unterscheide jede Ebene durch mindestens ein deutlich sichtbares Merkmal wie Größe, Schnitt oder Abstand, nicht durch viele kleine Unterschiede. Halte alles in Absatz- und Zeichenformaten fest und formatiere nie von Hand.

Informationsstufen definieren
Bevor es um Schriftgrößen geht, steht eine inhaltliche Frage: Welche Arten von Text kommen in der Publikation überhaupt vor? Gehe dazu ein bis zwei typische Doppelseiten im Manuskript durch und markiere jede Textart. In Broschüren, Berichten und Magazinen sind das meist diese Stufen:
- Dachzeile oder Rubrik: ordnet einen Beitrag ein, etwa „Interview“ oder „Nachhaltigkeit“.
- Titel: die Hauptüberschrift eines Beitrags oder Kapitels.
- Vorspann: zwei bis vier Sätze, die in den Beitrag einführen.
- Zwischenüberschriften: gliedern längere Texte, meist in einer, höchstens zwei Stufen.
- Fließtext: der eigentliche Lesetext und Maßstab für alle anderen Ebenen.
- Hervorhebungen im Text: einzelne Wörter oder Begriffe.
- Bildunterschriften und Marginalien: kurze Texte am Rand oder unter Bildern.
- Tabellen, Fußnoten und Quellen: ergänzende Informationen in kleiner Größe.
Jede zusätzliche Ebene muss sich von allen anderen unterscheiden. Drei Stufen von Zwischenüberschriften sind in einer Broschüre deshalb fast immer zu viel.
Unterscheidbare Größen und Schnitte wählen
Größe
Der Fließtext ist der Ausgangspunkt. Überschriften müssen sich deutlich davon abheben. Ein Unterschied von einem halben Punkt fällt kaum auf und wirkt eher wie ein Versehen. Bewährt hat sich, wenige klar abgestufte Größen festzulegen und diese konsequent zu verwenden. Kleine Texte wie Bildunterschriften und Fußnoten dürfen kleiner sein als der Fließtext, müssen aber in der realen Lesesituation lesbar bleiben.
Schnitt und Schriftstärke
Ein halbfetter oder fetter Schnitt unterscheidet eine Zwischenüberschrift oft wirkungsvoller als eine größere Schrift. leserlich.info empfiehlt Hervorhebungen durch halbfette oder fette und kursive Schriften und rät, sie sparsam einzusetzen, weil zu viele Auszeichnungen den Text unübersichtlich machen. Text in Versalien, also nur in Großbuchstaben, sollte die Ausnahme bleiben: Großbuchstaben unterscheiden sich weniger deutlich voneinander als Kleinbuchstaben und lesen sich deshalb schlechter.
Abstand und Position
Eine Zwischenüberschrift gehört zum folgenden Absatz. Deshalb sollte der Abstand davor größer sein als der Abstand danach. Ist es umgekehrt, scheint die Überschrift zum vorangehenden Text zu gehören. Auch die Position trennt Ebenen: Marginalien stehen in einer eigenen Spalte, Bildunterschriften direkt am Bild.
Farbe
Farbe kann eine Ebene unterstützen, etwa eine Dachzeile in der Hausfarbe. Sie sollte aber nicht das einzige Merkmal sein und braucht deutlichen Kontrast zum Hintergrund.
Arbeitsvorlage: Formatübersicht
Diese Übersicht kannst du für deine Publikation übernehmen und ausfüllen. Die Beispielwerte stammen aus einer frei erfundenen zweispaltigen A4-Broschüre und sind nur ein Ausgangspunkt. Mit einer anderen Schrift und Lesesituation ändern sie sich.
| Ebene | Funktion | Beispiel Größe / Zeilenabstand | Schnitt | Abstand |
|---|---|---|---|---|
| Dachzeile | Einordnen | 9 / 12 Punkt | halbfett, Hausfarbe | direkt über dem Titel |
| Titel | Thema setzen | 28 / 32 Punkt | fett | großer Abstand zum Vorspann |
| Vorspann | Hinführen | 13 / 18 Punkt | normal | eine Leerzeile vor dem Fließtext |
| Zwischenüberschrift | Gliedern | 11 / 14 Punkt | halbfett | davor mehr Abstand als danach |
| Fließtext | Lesen | 10 / 13 Punkt | normal, Auszeichnung kursiv | Absätze mit Einzug oder Abstand, nicht beides |
| Bildunterschrift | Bild erklären | 8,5 / 11 Punkt | normal oder kursiv | fester Abstand zum Bild |
| Fußnote, Quelle | Belegen | 7,5 / 10 Punkt | normal | am Spalten- oder Seitenende |
Prüfe die fertige Übersicht mit einer Frage: Kann jemand, der den Text nicht kennt, auf einer ausgedruckten Doppelseite jede Ebene richtig benennen? Wenn zwei Ebenen verwechselt werden, ist der Unterschied zu klein.

Formatvorlagen konsistent anwenden
In Layoutprogrammen wie Adobe InDesign wird jede Ebene als Formatvorlage angelegt. Ein Absatzformat enthält alle Eigenschaften eines Absatzes, also Schrift, Größe, Zeilenabstand, Abstände, Ausrichtung und Silbentrennung. Ein Zeichenformat gilt nur für ausgewählten Text innerhalb eines Absatzes, etwa für kursive Hervorhebungen. Ändert man die Formatvorlage, ändert sich jede Textstelle, der sie zugewiesen ist.
Für die Praxis heißt das:
- Jede Ebene aus der Formatübersicht bekommt genau ein Format mit einem verständlichen Namen.
- Formate bauen aufeinander auf: Zwischenüberschrift und Bildunterschrift übernehmen die Grundschrift vom Fließtext. So wirkt eine Änderung der Hausschrift überall.
- Formatierungen von Hand, die vom zugewiesenen Format abweichen, werden vor der Freigabe gesucht und bereinigt. InDesign kennzeichnet solche Abweichungen im Formatbedienfeld.
- Werden Texte aus Word übernommen, sollten dort ebenfalls Formatvorlagen verwendet werden. Dann lassen sich die Ebenen beim Import direkt zuordnen.
Saubere Formate sind auch die Grundlage für ein automatisch erzeugtes Inhaltsverzeichnis und für eine spätere barrierefreie PDF-Fassung, weil sich die Struktur aus ihnen ablesen lässt.
Beispiel: Hierarchie für einen Jahresbericht
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Eine Stiftung lässt ihren Jahresbericht neu gestalten. Im bisherigen Bericht gab es elf verschiedene Schriftgrößen, Zwischenüberschriften wurden mal fett, mal farbig, mal in Versalien gesetzt. Leserinnen und Leser fanden sich in den Projektberichten schlecht zurecht.
- Inventur: Beim Durchgehen von drei Doppelseiten zeigt sich, dass inhaltlich nur sieben Ebenen nötig sind: Kapitelname, Titel, Vorspann, Zwischenüberschrift, Fließtext, Bildunterschrift und Kennzahl.
- Abstufung: Zwischenüberschriften werden einheitlich halbfett in Fließtextgröße mit größerem Abstand davor gesetzt. Versalien bleiben nur für die kurzen Kapitelnamen.
- Kennzahlen: Sie bekommen eine eigene große Ebene mit erklärender Zeile darunter, damit sie nicht mit Überschriften konkurrieren.
- Formate: Alle Ebenen werden als Absatzformate angelegt, die Redaktion verwendet die gleichen Namen im Manuskript.
Das Ergebnis ist eine Formatübersicht von einer Seite, die auch für den nächsten Bericht gilt. Wie Kennzahlen inhaltlich aufbereitet werden, erklären wir im Beitrag Kennzahlen im Bericht darstellen.
Häufige Fragen
Wie viele Überschriftenebenen sind sinnvoll?
In Broschüren und Berichten reichen meist ein Titel und eine, höchstens zwei Stufen von Zwischenüberschriften. Jede weitere Stufe muss sich sichtbar von den anderen unterscheiden, was mit wachsender Zahl immer schwerer wird. Braucht ein Text mehr Ebenen, lohnt es sich, ihn inhaltlich neu zu gliedern.
Muss eine Überschrift immer größer sein als der Fließtext?
Nein. Eine Zwischenüberschrift in Fließtextgröße, aber halbfett und mit mehr Abstand davor, ist oft ruhiger und trotzdem klar erkennbar. Entscheidend ist, dass sie sich in mindestens einem Merkmal deutlich unterscheidet.
Wie hebe ich einzelne Wörter im Fließtext hervor?
Mit kursiver oder halbfetter Schrift, und zwar sparsam. Unterstreichungen sind im Druck unüblich und erinnern an Links. Text in Versalien liest sich schlechter, weil sich Großbuchstaben weniger voneinander unterscheiden.
Können wir die Formate aus unserem Corporate Design übernehmen?
Ja, wenn die Gestaltungsrichtlinien für Publikationen gedacht sind. Viele Richtlinien legen nur Schriften und einige Größen fest, nicht aber alle Ebenen eines längeren Textes. Dann ergänzen wir die fehlenden Stufen so, dass sie zu den Vorgaben passen.
Dein nächster Schritt
Nimm eine Doppelseite deiner aktuellen Publikation und zähle, wie viele unterschiedliche Textebenen du findest. Übertrage sie in die Formatübersicht und prüfe, ob sich jede klar unterscheidet. Wie du die Werte für den Fließtext selbst festlegst, zeigt der Beitrag Schriftgröße, Zeilenlänge und Zeilenabstand passend wählen. Wenn wir die Hierarchie und den Satz für dich übernehmen sollen, beschreib uns dein Projekt über die Projektanfrage.
Quellen
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, leserlich.info: Hervorhebungen. Abgerufen am 03.11.2026.
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, leserlich.info: Schreibweise. Abgerufen am 03.11.2026.
- Adobe: InDesign Benutzerhandbuch, Paragraph and character styles. Abgerufen am 03.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.