Bildbriefing schreiben: Motivliste, Blickrichtung und Formatbedarf

Illustration in Orange und Schwarz: Eine Gestalterin heftet Skizzen von Hoch- und Querformaten an eine Wand neben einen Seitenplan, ein Fotograf schaut zu.
Illustration in Orange und Schwarz: Eine Gestalterin heftet Skizzen von Hoch- und Querformaten an eine Wand neben einen Seitenplan, ein Fotograf schaut zu.

Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Bildsprache und Bilddaten für hochwertige Publikationen.

Ein Fototag ist schnell organisiert. Schwierig wird es danach: 400 schöne Aufnahmen, aber kein Hochformat für den Titel, die Porträts schauen aus der Seite hinaus, und für die Doppelseite fehlt ein Motiv mit ruhiger Fläche für die Überschrift. Solche Lücken entstehen, weil vor dem Shooting niemand aufgeschrieben hat, wofür jedes Bild gebraucht wird. Ein Bildbriefing übersetzt den Seitenplan in konkrete Aufträge an Fotografie oder Bildrecherche.

Kurz gesagt: Ein gutes Bildbriefing beantwortet für jedes Motiv drei Fragen: Wofür wird das Bild verwendet? In welchem Format und mit welcher Blickrichtung wird es gebraucht? Wie wichtig ist es im Vergleich zu den anderen Motiven? Die Antworten stehen in einer Motivliste, die du direkt an Fotografin, Fotograf oder Bildredaktion weitergeben kannst.

Schritt 1: Verwendungszweck festlegen

Beginne nicht mit dem Motiv, sondern mit der Aufgabe. Ein Bild auf dem Titel muss neugierig machen und Platz für Titel und Logo lassen. Ein Bild auf einer Produktseite muss das Produkt erkennbar zeigen. Ein Kapitelauftakt setzt Stimmung, ein kleines Bild im Text belegt eine Aussage. Notiere für jedes Motiv:

  • Seite und Position: zum Beispiel Titel, Doppelseite 4 und 5, kleines Bild in der rechten Spalte auf Seite 9.
  • Aufgabe: belegen, erklären, Atmosphäre schaffen oder Orientierung geben.
  • Ausgabe: nur Druck oder auch PDF, Website und Social Media. Das beeinflusst Formate und den Nutzungsumfang, den du mit der Fotografie vereinbarst. Ein Motiv, das im Druck hoch steht, wird für einen Website-Banner oft stark quer gebraucht.
Illustration in Orange und Schwarz: Ein Hochformat- und ein Querformatfoto liegen auf einer aufgeschlagenen Broschüre, eine Hand misst mit einem Lineal nach.
Welche Formate gebraucht werden, ergibt sich aus dem Seitenplan und nicht aus den vorhandenen Fotos.

Schritt 2: Quer- und Hochformatbedarf sammeln

Der Formatbedarf ergibt sich aus dem Layoutentwurf oder zumindest aus dem Seitenplan. Gehe jede Seite durch und notiere, ob das Bild hoch, quer oder annähernd quadratisch steht und ob es im Anschnitt liegt, also bis über den Seitenrand reicht. Zähle danach: Wie viele Hochformate, wie viele Querformate? In vielen Projekten fehlen am Ende vor allem Hochformate, weil Kameras und Smartphones meistens quer gehalten werden.

Blickrichtung und Freiraum

Menschen im Bild lenken den Blick der Lesenden. Schaut eine Person aus der Seite hinaus, folgt der Blick ihr aus der Publikation. Schaut sie zum Text oder zur Seitenmitte, führt sie in den Inhalt hinein. Lege deshalb fest, in welche Richtung Personen blicken sollen: auf der linken Seite meist nach rechts, auf der rechten nach links. Soll eine Überschrift im Bild stehen, braucht das Motiv außerdem eine ruhige Fläche, etwa Himmel, Wand oder unscharfen Hintergrund. Gib an, wo sie liegen soll.

Reserve für den Bildausschnitt

Bitte darum, Motive etwas weiter zu fotografieren als im Layout nötig. Diese Reserve braucht die Gestaltung für den Beschnitt und für spätere Anpassungen. Bei Doppelseiten gilt zusätzlich: Gesichter und wichtige Details gehören nicht in die Mitte, wo der Bund liegt. Dort verschwinden sie in der Bindung.

Schritt 3: Konkrete Motive priorisieren

Nicht jedes Motiv ist gleich wichtig. Teile die Liste in drei Stufen ein:

  • Muss: Schlüsselbilder wie Titel, Kapitelauftakte und Motive, ohne die eine Seite nicht funktioniert.
  • Soll: Bilder, die eine Seite deutlich verbessern, aber notfalls durch ein vorhandenes Bild ersetzt werden können.
  • Kann: zusätzliche Motive, wenn Zeit und Gelegenheit bleiben, etwa Details oder alternative Perspektiven.

Die Priorität steuert den Ablauf am Fototag. Muss-Motive kommen zuerst, solange Licht, Menschen und Räume verfügbar sind.

Illustration in Orange und Schwarz: Ein Fotograf und eine Assistentin mit Reflektor fotografieren einen Auszubildenden an einer Werkbank, der nach rechts blickt.
Mit einer priorisierten Motivliste kommen die wichtigsten Bilder zuerst, solange Licht und Menschen verfügbar sind.

Vorlage: Motivliste für das Bildbriefing

Diese Tabelle kannst du als Gerüst für deine eigene Motivliste übernehmen. Jede Zeile beschreibt genau ein Bild.

Nr. Seite Motiv Zweck Format Blickrichtung und Freiraum Personen Priorität
B01 Titel Auszubildende an der Werkbank, Halbtotale Neugier wecken hoch, Anschnitt Blick nach rechts, Freiraum oben für Titel 1, Einwilligung nötig Muss
B02 2 bis 3 Halle mit Team bei Schichtbeginn Atmosphäre quer, Doppelseite keine Gesichter in der Mitte mehrere Muss
B03 5 Hände bei der Montage, Nahaufnahme Tätigkeit erklären quer, Spalte neutral nur Hände Soll
B04 7 Ausbilder im Gespräch Ansprechperson zeigen hoch, Spalte Blick nach links zum Text 1, Einwilligung nötig Muss
B05 11 Pausenraum, Detail Kaffeemaschine Alltag zeigen quadratisch neutral keine Kann

Die Nummer aus der ersten Spalte sollte später im Dateinamen und in der Nachweisliste wiederkehren. So lässt sich jedes Bild vom Briefing bis zur Druckdatei eindeutig zuordnen.

Was außerdem ins Bildbriefing gehört

  • Bildsprache: zwei oder drei Referenzbilder und eine kurze Beschreibung von Licht, Nähe und Stimmung.
  • Organisation: Ort, Termin, Ansprechperson vor Ort, Zugang zu Räumen und Maschinen.
  • Personen: wer fotografiert wird und wer die Einwilligungen einholt. Bildnisse dürfen nach dem Kunsturhebergesetz grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet werden.
  • Lieferung: Anzahl der Bilder je Motiv, Dateiformat, volle Auflösung, Benennung nach Motivnummer und Liefertermin.
  • Nutzungsumfang: in welchen Medien, für welchen Zeitraum und ob Bearbeitungen erlaubt sind.

Bis die finalen Fotos vorliegen, kann die Gestaltung mit Platzhaltern arbeiten. Adobe beschreibt dieses Vorgehen für große, hochaufgelöste Druckbilder: Im Layout werden zunächst niedrig aufgelöste Versionen verwendet und vor der Ausgabe durch die hochaufgelösten ersetzt. Wichtig ist, dass Platzhalter klar als solche erkennbar sind.

Beispiel: Bildbriefing für eine Recruitingbroschüre

Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.

Ein Elektrobetrieb mit rund 60 Beschäftigten plant eine Recruitingbroschüre mit 16 Seiten im Format A4. Der Seitenplan sieht Titel, eine Doppelseite zum Arbeitsalltag, vier Porträtseiten, Seiten zu Ausbildung, Team und Kontakt vor. Aus der ersten Durchsicht ergeben sich 18 Motive.

  • Verwendungszweck: Die Broschüre wird gedruckt und als PDF verschickt. Drei Motive sollen zusätzlich auf der Karriereseite erscheinen. Das steht im Briefing, damit der Nutzungsumfang passt.
  • Formatbedarf: 7 Hochformate, 9 Querformate, 2 Doppelseiten. Die vorhandenen Bilder des Betriebs sind fast alle quer. Für die Porträtseiten wird deshalb ausdrücklich Hochformat mit Blick zur Seitenmitte verlangt.
  • Priorität: Titel, Doppelseite und die vier Porträts sind Muss-Motive. Sie werden am Vormittag fotografiert, wenn alle Porträtierten im Betrieb sind. Detailaufnahmen von Werkzeug und Baustelle sind Kann-Motive für den Nachmittag.
  • Personen: Die Geschäftsführung holt die Einwilligungen vor dem Termin ein, getrennt für Druck, PDF und Karriereseite.

Am Ende des Fototags lässt sich die Motivliste abhaken. Fehlt ein Muss-Motiv, fällt das sofort auf und nicht erst Wochen später im Layout. Wie du die Porträts inhaltlich vorbereitest, liest du im Beitrag zu Mitarbeiterporträts.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Bildbriefing auch für Bilder aus einer Bildagentur?

Ja, in kürzerer Form. Zweck, Format, Blickrichtung und Freiraum gelten auch für gekaufte Bilder. Mit einer Motivliste suchst du gezielter.

Wie detailliert muss eine Motivliste sein?

So genau, dass jemand ohne Kenntnis des Layouts das richtige Bild erstellen oder auswählen kann. Seite, Motiv, Format und Priorität sind das Minimum. Blickrichtung und Freiraum sind bei allen Bildern wichtig, auf denen Text stehen oder ein Gesicht zu sehen sein soll.

Was tun, wenn das Layout noch nicht fertig ist?

Arbeite mit dem Seitenplan und lass wichtige Motive in beiden Formaten fotografieren. Das kostet am Fototag wenige Minuten und spart später eine Nachproduktion.

Wer schreibt das Bildbriefing?

Am besten Redaktion und Gestaltung gemeinsam. Die Redaktion weiß, was ein Bild belegen soll, die Gestaltung kennt Formate, Freiräume und Bildausschnitte. Die Fotografin oder der Fotograf sollte das Briefing vor dem Termin erhalten und Rückfragen stellen können.

Dein nächster Schritt

Nimm deinen Seitenplan und lege für jede Seite eine Zeile in der Motivliste an. Wie du den Seitenplan selbst aufbaust, zeigen wir im Beitrag Seitenplan erstellen. Wenn du Bildbriefing, Gestaltung und Satz mit uns angehen möchtest, nutze die Projektanfrage.

Quellen

Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.

Bild von Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner ist Grafikdesigner und WordPress-Freelancer mit über 20 Jahren Erfahrung. Er unterstützt Werbeagenturen und Unternehmen bei der Gestaltung von Publikationen wie Broschüren, Magazinen und Katalogen sowie bei der Entwicklung von maßgeschneiderten Webseiten und Webanwendungen.

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