Produktvergleiche gestalten: Auswahlkriterien, Einheiten und Varianten

Illustration in Orange und Schwarz: Vier Hallenventilatoren in aufsteigender Größe stehen in einer Reihe, eine Person mit Klemmbrett vergleicht sie.
Illustration in Orange und Schwarz: Vier Hallenventilatoren in aufsteigender Größe stehen in einer Reihe, eine Person mit Klemmbrett vergleicht sie.

Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Erklärungsbedürftige Produkte mit Broschüren verständlich vermitteln.

Sobald ein Produkt in mehreren Varianten angeboten wird, stellen Leser dieselbe Frage: Welche passt zu mir? Eine Vergleichstabelle kann diese Frage in wenigen Sekunden beantworten. Sie kann Leser aber auch ratlos zurücklassen, wenn Werte in unterschiedlichen Einheiten stehen, Zeilen ohne erkennbare Ordnung folgen oder unklar bleibt, was ein Strich in einer Zelle bedeutet.

Hier zeigen wir dir, wie du einen Produktvergleich für Broschüren und Kataloge in drei Schritten aufbaust.

Kurz gesagt: Ein guter Produktvergleich beginnt mit der Entscheidung, die der Leser treffen will. Daraus ergeben sich die Auswahlkriterien und ihre Reihenfolge. Alle Varianten werden mit denselben Merkmalen, Einheiten und Messbedingungen gegenübergestellt, und jede Ausnahme bekommt eine eindeutige, erklärte Kennzeichnung.

Schritt 1: Den Vergleichsmaßstab festlegen

Bevor du die erste Zeile anlegst, kläre, wonach Leser auswählen. Ein Planer wählt eine Pumpe nach Fördermenge und Druck, ein Hausmeister einen Staubsauger vielleicht nach Gewicht und Akkulaufzeit. Diese Auswahlkriterien gehören an den Anfang der Tabelle. Alles, was nur zur Information dient, folgt danach.

Lege außerdem die Bezugsgröße fest. Werte sind nur vergleichbar, wenn sie sich auf dasselbe beziehen: Verbrauch pro Stunde oder pro Betriebszyklus, Gewicht mit oder ohne Akku, Leistung bei welcher Temperatur. Diese Festlegung trifft die Fachabteilung, nicht die Gestaltung.

Diese Fragen helfen dir beim Festlegen:

  • Welche Entscheidung trifft der Leser mit dieser Tabelle?
  • Welche zwei bis vier Merkmale entscheiden diese Wahl am häufigsten?
  • Auf welche Bezugsgröße und Messbedingung beziehen sich die Werte?
  • Welche Merkmale sind bei allen Varianten gleich und können aus der Tabelle heraus in einen Satz?

Eine Zeile, in der überall derselbe Wert steht, trägt nichts zum Vergleich bei. Schreib solche Eigenschaften lieber als Satz zur Tabelle: „Alle Modelle mit Gehäuse aus Edelstahl.“

Illustration in Orange und Schwarz: Eine Gestalterin richtet am Bildschirm ein Tabellenlayout mit Spalten aus, daneben hängt ein Probeausdruck.
Gleiche Einheiten und Formate in jeder Zeile machen Werte direkt vergleichbar.

Schritt 2: Gleiche Merkmale gegenüberstellen

Die eigentliche Arbeit liegt darin, die Daten vergleichbar zu machen. Diese Regeln haben sich bewährt:

  • Einheit in den Zeilenkopf: Steht die Einheit einmal im Kopf, etwa „Gewicht in kg“, bleiben die Zellen übersichtlich. Jede Zeile hat genau eine Einheit.
  • Gesetzliche Einheiten: Im geschäftlichen Verkehr sind Größen in Deutschland in gesetzlichen Einheiten anzugeben, wenn für sie solche festgelegt sind. Gib gleichartige Größen durchgehend in derselben Einheit an, also zum Beispiel jede Leistung in Kilowatt und nicht mal in Watt, mal in Kilowatt.
  • Ein Format pro Zeile oder Spalte: Dieselbe Anzahl Nachkommastellen, dasselbe Dezimalzeichen, dieselbe Schreibweise. Das Internationale Büro für Maß und Gewicht empfiehlt ausdrücklich, das Zahlenformat innerhalb einer Tabellenspalte nicht zu wechseln.
  • Eine Einheit pro Wert: „1,25 m“ statt „1 m 25 cm“.
  • Gleiche Messbedingungen: Wenn ein Wert bei einer Variante unter anderen Bedingungen gemessen wurde, ist er nicht vergleichbar. Dann gehört er gekennzeichnet oder neu ermittelt.
  • Feste Reihenfolge der Varianten: meist aufsteigend nach dem wichtigsten Kriterium, etwa nach Leistung oder Größe.

Welche Darstellung passt?

Darstellung Geeignet für Worauf du achten solltest
Vergleichstabelle Drei bis acht Varianten mit messbaren Werten Auswahlkriterien oben, Einheiten im Zeilenkopf, Fußnoten für Bedingungen
Ausstattungsmatrix Varianten, die sich vor allem in Ausstattung unterscheiden Eindeutige Zeichen für Serie, Option und nicht verfügbar, mit Legende
Auswahlhilfe als Entscheidungsbaum Wenige Kriterien, die nacheinander abgefragt werden Höchstens drei Ebenen, jede Abzweigung mit klarer Frage
Steckbriefe nebeneinander Zwei bis drei Varianten mit wenigen, aber erklärungsbedürftigen Unterschieden Identischer Aufbau aller Steckbriefe, Unterschiede hervorheben
Illustration in Orange und Schwarz: Eine Hand markiert auf einer gedruckten Tabelle einzelne Zellen mit gefüllten und leeren Kreisen, daneben liegt eine Legendenkarte.
Jedes Zeichen in der Tabelle braucht eine Erklärung auf derselben Seite.

Schritt 3: Ausnahmen verständlich kennzeichnen

Kaum ein Vergleich kommt ohne Ausnahmen aus: Eine Variante gibt es nur in einer Farbe, ein Wert gilt nur mit Zubehör, ein Merkmal trifft auf ein Modell gar nicht zu. Entscheidend ist, dass Leser diese Fälle unterscheiden können.

  • Nicht verfügbar und nicht zutreffend trennen: „Nicht verfügbar“ heißt, die Variante hat das Merkmal nicht. „Nicht zutreffend“ heißt, die Frage stellt sich bei diesem Modell nicht. Ein leerer Strich für beides führt zu Missverständnissen.
  • Zeichen mit Legende: Jedes Zeichen in der Tabelle wird direkt darunter erklärt. Die Legende steht auf derselben Seite wie die Tabelle.
  • Nicht nur Farbe: Kennzeichne Unterschiede nicht allein durch Farbe, sondern zusätzlich durch Zeichen oder Text. Das hilft allen, die Farben schlecht unterscheiden, und funktioniert auch in einer Schwarz-Weiß-Kopie. Mehr dazu im Beitrag Barrierefreie Broschüren.
  • Fußnoten sparsam: Fußnoten für Messbedingungen und Einschränkungen sind sinnvoll. Wenn eine Tabelle mehr Fußnoten als Zeilen hat, ist meist der Vergleichsmaßstab noch nicht klar.

Vergleiche mit Produkten anderer Hersteller

Ein Vergleich der eigenen Varianten ist eine Auswahlhilfe. Sobald ein Mitbewerber oder dessen Produkte erkennbar werden, handelt es sich um vergleichende Werbung. Sie ist in Deutschland nur unter bestimmten Bedingungen zulässig, unter anderem muss sie sich auf Produkte für den gleichen Bedarf beziehen und objektiv auf wesentliche, relevante, nachprüfbare und typische Eigenschaften abstellen. Solche Vergleiche solltest du vor der Veröffentlichung rechtlich prüfen lassen.

Beispiel: Vergleichstabelle für eine Ventilator-Baureihe

Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.

Ein Hersteller bietet eine Baureihe von Hallenventilatoren in vier Größen an. Die erste Tabelle aus dem Vertrieb hatte zwölf Zeilen, Leistung teils in Watt, teils in Kilowatt, und einen Strich für fehlende Angaben. Nach der Überarbeitung sieht der Vergleich so aus:

Merkmal Modell 400 Modell 500 Modell 630 Modell 800
Luftvolumenstrom in m³/h¹ 3 200 5 100 8 400 12 600
Leistungsaufnahme in kW¹ 0,18 0,30 0,55 0,90
Flügeldurchmesser in mm 400 500 630 800
Gewicht in kg 14,5 19,0 27,5 41,0
Drehzahlregelung ○ ○ ● ●

¹ Bei freiem Ausblasen. ● Serienausstattung, ○ als Option erhältlich. Alle Modelle mit Schutzgitter nach vorne und hinten.

Die Auswahlkriterien stehen oben, die Leistung durchgehend in Kilowatt mit zwei Nachkommastellen, die gemeinsame Ausstattung unter der Tabelle. Werte und Messbedingung hat das Produktmanagement freigegeben.

Häufige Fragen

Wie viele Varianten passen in eine Vergleichstabelle?

Auf einer Seite im Format A4 bleiben bis zu fünf oder sechs Spalten gut lesbar. Bei mehr Varianten lohnt es sich, die Baureihe in Gruppen zu teilen oder eine Doppelseite zu nutzen. Für ganze Sortimente mit vielen Artikeln ist ein Katalog mit eigener Datenstruktur meist die bessere Lösung.

Sollen Merkmale oder Varianten in den Zeilen stehen?

Bei wenigen Varianten und vielen Merkmalen stehen die Varianten meist in den Spalten, weil Leser dann Zeile für Zeile vergleichen. Bei vielen Varianten und wenigen Merkmalen ist es umgekehrt. Entscheidend ist, dass der Blick beim Vergleichen in eine Richtung wandert.

Was tun, wenn für eine Variante ein Wert fehlt?

Kläre zuerst mit der Fachabteilung, ob der Wert nachgeliefert werden kann. Wenn nicht, kennzeichne die Lücke eindeutig, zum Beispiel mit „auf Anfrage“, und erkläre das Zeichen in der Legende. Ein unkommentierter Strich wird leicht als „nicht vorhanden“ gelesen.

Müssen Einheiten in jeder Zelle stehen?

Nein. Übersichtlicher ist die Einheit einmal im Zeilen- oder Spaltenkopf, zum Beispiel „Gewicht in kg“. Alle Werte dieser Zeile stehen dann in derselben Einheit und im selben Format.

Dein nächster Schritt

Nimm deine bestehende Vergleichstabelle und prüfe sie mit den drei Schritten: Stehen die Auswahlkriterien oben? Sind Einheiten und Formate einheitlich? Ist jede Ausnahme erklärt? Wie ein Vergleich in die gesamte Produktbroschüre eingebettet wird, zeigt der Beitrag Technische Produktbroschüre aufbauen. Wenn du deine Vergleiche und Datentabellen gestalten lassen möchtest, beschreib uns dein Projekt über die Projektanfrage.

Quellen

Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.

Bild von Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner ist Grafikdesigner und WordPress-Freelancer mit über 20 Jahren Erfahrung. Er unterstützt Werbeagenturen und Unternehmen bei der Gestaltung von Publikationen wie Broschüren, Magazinen und Katalogen sowie bei der Entwicklung von maßgeschneiderten Webseiten und Webanwendungen.

Sie suchen nach neuen Inhalten?

Erhalten Sie Artikel und Einblicke in unserem Newsletter.

Name

Sie möchten etwas gestalten lassen?

myBroschur kreiert Publikationen, wie Broschüren, Kataloge oder Magazine nach  dem Bedürfnis Ihrer Leserschaft. Vielseitig, auf­merk­sam­keits­stark und informativ.

Starten Sie jetzt Ihr Designprojekt

15 % sparen**

broschuere erstellen lassen myBroschur 003

Code: Broschüre24

Mit myBroschur haben Sie den richtigen Partner für die Erstellung von wirksamen Broschüren an Ihrer Seite.