Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Publikationskosten und Budget realistisch planen.
Wer mehrere Angebote für die Gestaltung einer Broschüre, eines Katalogs oder eines Magazins einholt, vergleicht oft zuerst die Summe unten rechts. Das ist verständlich, führt aber leicht zu einem schiefen Bild. Angebote unterscheiden sich weniger im Preis für dieselbe Leistung als darin, welche Leistung überhaupt enthalten ist und von welchen Annahmen sie ausgehen.
Kurz gesagt: Vergleiche Angebote in drei Schritten. Lege zuerst den Leistungsumfang nebeneinander und mache die Annahmen sichtbar. Prüfe dann, wie Korrekturen geregelt sind und welche Daten du am Ende erhältst. Betrachte zuletzt Druck und Erstellung getrennt. Erst danach lohnt der Blick auf die Summe.
Leistungsumfang vergleichen
Übertrage die Angebote in eine gemeinsame Tabelle. Die folgende Vorlage enthält die Bereiche, in denen sich Angebote am häufigsten unterscheiden. Trage für jedes Angebot ein, ob die Leistung enthalten ist, nicht enthalten ist oder unklar bleibt.
| Bereich | Prüffrage | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Konzept und Beratung | Ist eine Konzeptphase oder Briefingunterstützung enthalten? | Ohne geklärtes Konzept verschiebt sich Aufwand in spätere Korrekturen. |
| Gestaltungsentwurf | Wie viele Entwürfe, für welche Seiten? | Ein Titelentwurf ist etwas anderes als Titel und mehrere Musterseiten. |
| Satz | Für wie viele Seiten und welche Seitentypen? | Tabellen, Infografiken und Freisteller können separat berechnet werden. |
| Texte | Werden Texte geliefert, bearbeitet oder neu geschrieben? | Redaktion und Lektorat sind eigene Leistungen. |
| Bilder | Sind Bildrecherche, Lizenzen, Bildbearbeitung enthalten? | Lizenzkosten hängen vom vereinbarten Nutzungsumfang ab. |
| Korrekturen | Wie viele Runden, und was gilt als Korrektur? | Zusätzliche Runden oder inhaltliche Änderungen werden oft extra berechnet. |
| Projektmanagement | Wer koordiniert Termine, Material und Partner? | Koordination kostet Zeit, auch wenn sie im Angebot nicht auftaucht. |
| Ausgabe | Druckdaten, PDF für den Versand, weitere Fassungen? | Jedes zusätzliche Format ist ein eigener Arbeitsschritt. |
| Druck | Enthalten, separat angeboten oder nicht Teil des Angebots? | Sonst vergleichst du Gestaltung mit Gestaltung plus Druck. |
Annahmen sichtbar machen
Jedes Angebot rechnet mit Annahmen, auch wenn sie nicht ausdrücklich dastehen: Seitenzahl, Textmenge, Zahl der Bilder und Tabellen, Sprachen, Zustand des Materials. Wenn ein Angebot deutlich günstiger ist als die anderen, liegt das häufig an anderen Annahmen. Frag deshalb nach, wovon die Kalkulation ausgeht. Am einfachsten vergleichst du, wenn alle Anbieter dasselbe Briefing erhalten haben.

Korrekturen und Datenübergabe prüfen
Zwei Punkte werden beim Angebotsvergleich oft übersehen, obwohl sie später viel ausmachen.
Korrekturen
Prüfe, wie viele Korrekturrunden enthalten sind und wie der Unterschied zwischen Korrektur und Änderung beschrieben ist. Ein Tippfehler ist schnell behoben. Ein neuer Absatz, der den Umbruch über mehrere Seiten verschiebt, ist ein anderer Aufwand. Gute Angebote beschreiben, wie mit zusätzlichem Aufwand umgegangen wird, bevor er entsteht.
Datenübergabe und Nutzungsrechte
Kläre, welche Dateien du am Ende erhältst: nur die Druck-PDF oder auch die offenen Layoutdateien? Für Neuauflagen und Aktualisierungen kann das wichtig sein. Ebenso wichtig ist, welche Nutzungsrechte an Gestaltung und Bildern eingeräumt werden. Nach dem Urheberrechtsgesetz können Nutzungsrechte einfach oder ausschließlich und räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt eingeräumt werden. Sind die Nutzungsarten nicht ausdrücklich bezeichnet, richtet sich ihr Umfang nach dem gemeinsamen Vertragszweck. Halte deshalb fest, wofür du die Publikation und ihre Bestandteile nutzen willst, etwa für Druck, Website und Social Media. Im Zweifel lass die Regelung rechtlich prüfen.

Druck und Erstellung trennen
Gestaltung, Satz und Projektmanagement sind von der Auflage weitgehend unabhängig. Die Druckkosten dagegen hängen von Auflage, Format, Seitenzahl, Papier, Bindung und Veredelung ab. Wenn ein Angebot beides in einer Summe nennt, kannst du nicht erkennen, welcher Teil sich ändert, wenn du die Auflage anpasst oder ein anderes Papier wählst.
Bitte deshalb darum, Erstellung und Druck getrennt auszuweisen. Dann kannst du den Druck auch unabhängig vergleichen oder selbst beauftragen. Wir übernehmen Design, Satz und Projektmanagement und organisieren auf Wunsch den Druck über unsere Druckpartner. Auch dann sind beide Teile getrennt nachvollziehbar. Wie wir kalkulieren, erklären wir auf der Seite Broschüre erstellen lassen: Kosten und Leistungen.
Schätzung, Kostenanschlag oder Festpreis
Achte auch darauf, welche Art von Preisangabe vorliegt. Ein Festpreis gilt für den beschriebenen Umfang. Ein Kostenanschlag ist eine Schätzung. Wird einem Vertrag ein Kostenanschlag zugrunde gelegt und ist eine wesentliche Überschreitung zu erwarten, muss der Auftragnehmer das nach § 649 BGB unverzüglich anzeigen. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, lässt du im Zweifel rechtlich prüfen.
Beispiel: Zwei Angebote für einen Katalog
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Ein Händler für Gartenbedarf holt zwei Angebote für einen Katalog mit 40 Seiten ein. Angebot A ist in der Summe deutlich niedriger. Beim Übertragen in die Vergleichstabelle zeigt sich:
- Entwurf: A enthält einen Titelentwurf, B enthält Titel und drei Musterseiten für Produkt-, Themen- und Tabellenseiten.
- Bilder: A geht von fertig freigestellten Produktfotos aus. Der Händler hat aber nur Fotos mit Hintergrund. B rechnet das Freistellen ein.
- Korrekturen: A enthält eine Runde, B zwei Runden. Bei A ist nicht beschrieben, wie weitere Runden berechnet werden.
- Daten: A liefert nur die Druck-PDF, B auch die offenen Dateien für die nächste Ausgabe.
- Druck: A enthält den Druck einer festen Auflage in der Summe, B weist den Druck getrennt aus.
Nach dem Vergleich ist klar, dass die beiden Summen nicht dasselbe beschreiben. Der Händler bittet beide Anbieter um ein Angebot auf derselben Grundlage: gleicher Umfang, Freisteller enthalten, zwei Korrekturrunden, offene Dateien, Druck getrennt.
Häufige Fragen
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
So viele, wie du sorgfältig vergleichen kannst. Wichtiger als die Zahl ist, dass alle Anbieter dieselbe Beschreibung erhalten. Sonst vergleichst du unterschiedliche Leistungen.
Was tun, wenn ein Angebot unklar ist?
Frag gezielt nach den Punkten aus der Vergleichstabelle und lass dir die Antworten schriftlich geben. Ein Anbieter, der seine Annahmen offenlegt, macht spätere Abweichungen nachvollziehbar.
Sollte ich die offenen Layoutdateien verlangen?
Wenn du die Publikation später selbst aktualisieren oder von anderen bearbeiten lassen willst, ist das sinnvoll. Kläre vorher, ob die Übergabe im Angebot enthalten ist und welche Nutzungsrechte dazugehören. Für Schriften und Bilder können eigene Lizenzbedingungen gelten.
Ist das günstigste Angebot automatisch das schlechteste?
Nein. Es kann sein, dass ein Anbieter effizient arbeitet oder dein Projekt gut kennt. Entscheidend ist, dass Leistungsumfang und Annahmen zu deinem Projekt passen. Dann ist ein günstiges Angebot einfach ein gutes Angebot.
Dein nächster Schritt
Übertrage deine Angebote in die Vergleichstabelle und markiere alle unklaren Punkte. Wie sich die Kosten einer Publikation insgesamt zusammensetzen, liest du im Themenschwerpunkt Publikationskosten und Budget realistisch planen. Wenn du ein Angebot von uns möchtest, beschreib dein Vorhaben über die Projektanfrage.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: § 31 Urheberrechtsgesetz, Einräumung von Nutzungsrechten. Abgerufen am 02.11.2026.
- Bundesministerium der Justiz: § 649 Bürgerliches Gesetzbuch, Kostenanschlag. Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.