Recruitingbroschüre planen: Arbeitgeberprofil statt austauschbarer Versprechen

Illustration in Orange und Schwarz: Ein Auszubildender überreicht an einem Messestand einer Schülerin und ihrer Mutter eine Broschüre.
Illustration in Orange und Schwarz: Ein Auszubildender überreicht an einem Messestand einer Schülerin und ihrer Mutter eine Broschüre.

Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Mitarbeiterkommunikation mit Magazinen und Broschüren planen.

„Spannende Aufgaben, ein tolles Team und flache Hierarchien“: Solche Sätze stehen in vielen Recruitingbroschüren, und genau deshalb helfen sie niemandem bei der Entscheidung. Wer sich bewirbt, will wissen, wie die Arbeit tatsächlich aussieht, mit wem man zusammenarbeitet und was nach der Bewerbung passiert. Eine Recruitingbroschüre überzeugt, wenn sie diese Fragen konkret beantwortet.

In diesem Beitrag planst du eine Recruitingbroschüre in drei Schritten: Zielgruppen benennen, den Arbeitsalltag belegen und den Bewerbungsweg verständlich zeigen.

Kurz gesagt: Eine gute Recruitingbroschüre richtet sich an eine klar benannte Zielgruppe, ersetzt Versprechen durch überprüfbare Beispiele aus dem Arbeitsalltag und endet mit einem einfachen, vollständigen Bewerbungsweg. Alles, was sich schnell ändert, etwa offene Stellen, gehört auf die Karriereseite und wird aus der Broschüre heraus verlinkt.

Schritt 1: Zielgruppen benennen

Eine Broschüre für Schülerinnen und Schüler, die einen Ausbildungsplatz suchen, braucht andere Inhalte als eine für erfahrene Fachkräfte. Lege deshalb fest, wen du vorrangig ansprichst und in welcher Situation die Broschüre gelesen wird. Wenn mehrere Gruppen gleich wichtig sind, können getrennte Ausgaben oder klar getrennte Teile sinnvoller sein als ein Heft für alle.

Zielgruppe Typische Fragen Lesesituation
Ausbildungsinteressierte Was lerne ich, wie läuft die Ausbildung ab, wer betreut mich, wie geht es danach weiter? Ausbildungsmesse, Schulbesuch, zu Hause mit den Eltern
Studierende und Absolventen Welche Einstiegswege gibt es, welche Aufgaben übernehme ich, wie entwickle ich mich weiter? Hochschulmesse, Praktikum, Abschlussarbeit
Fachkräfte Welche Aufgaben, Arbeitszeiten und Arbeitsmittel erwarten mich, wie wird gearbeitet? Fachmesse, Gespräch mit Mitarbeitenden, Postversand nach Erstkontakt
Quereinsteiger Welche Vorkenntnisse brauche ich, wie werde ich eingearbeitet? Jobmesse, Arbeitsagentur, Empfehlung

Die Lesesituation bestimmt auch das Format. Eine Broschüre, die auf einer Ausbildungsmesse mitgenommen wird, sollte handlich sein und schnell zeigen, worum es geht. Eine Broschüre, die nach einem Erstgespräch an eine Fachkraft verschickt wird, darf ausführlicher sein.

Illustration in Orange und Schwarz: Ein Fotograf fotografiert einen Elektriker bei der Arbeit auf einer Baustelle.
Fotos aus dem echten Arbeitsalltag belegen, was Texte nur behaupten können.

Schritt 2: Arbeitsalltag belegen statt behaupten

Jede allgemeine Aussage über den Arbeitgeber sollte durch ein konkretes Beispiel gedeckt sein. Prüfe deine bisherigen Texte mit dieser Gegenüberstellung:

Austauschbares Versprechen Konkreter Beleg
Flache Hierarchien Wer entscheidet worüber? Ein Beispiel, bei dem ein Vorschlag aus dem Team umgesetzt wurde.
Spannende Aufgaben Ein beschriebener Arbeitstag oder ein Projekt, an dem die Zielgruppe tatsächlich mitarbeitet.
Tolles Team Echte Kolleginnen und Kollegen mit Namen, Aufgabe und eigener Aussage, mit ihrer Einwilligung.
Gute Weiterbildung Die tatsächlich angebotenen Programme, wie man daran teilnimmt und wer sie schon genutzt hat.
Familienfreundlich Nur Regelungen, die verbindlich gelten, etwa Arbeitszeitmodelle, und für wen sie gelten.
Moderne Ausstattung Fotos echter Arbeitsplätze und Maschinen statt Bildagenturmotiven.

Nimm nur auf, was dein Unternehmen auch einhält. Wer nach der Einstellung feststellt, dass die Broschüre zu viel versprochen hat, ist schnell wieder weg. Mitarbeiterstimmen und Porträts machen den Alltag glaubwürdig, wenn sie von echten Beschäftigten stammen. Fotos von Mitarbeitenden dürfen grundsätzlich nur mit deren Einwilligung veröffentlicht werden. Wie du Porträts vorbereitest, beschreiben wir im Beitrag Mitarbeiterporträts vorbereiten.

Achte außerdem auf die Sprache. Ein Arbeitsplatz darf nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ausgeschrieben werden. Das Gesetz nennt als Merkmale unter anderem Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Religion und Behinderung. Formulierungen wie „junges Team“ oder rein männliche Berufsbezeichnungen können deshalb problematisch sein, auch in einer Broschüre, die nah an einer Stellenanzeige ist. Diese Hinweise ersetzen keine arbeitsrechtliche Beratung. Im Zweifel lässt du die Texte rechtlich prüfen.

Illustration in Orange und Schwarz: Eine junge Person scannt am Küchentisch mit dem Smartphone einen Code auf der Rückseite einer Broschüre.
Aktuelle Stellen stehen auf der Karriereseite, die Broschüre führt dorthin.

Schritt 3: Bewerbungsweg verständlich zeigen

Am Ende jeder Recruitingbroschüre sollte klar sein, was als Nächstes zu tun ist. Ein vollständiger Bewerbungsweg beantwortet diese Fragen:

  1. Wo finde ich die aktuell offenen Stellen? Zum Beispiel über eine kurze Webadresse oder einen QR-Code zur Karriereseite.
  2. Wie bewerbe ich mich: online, per E-Mail oder auch ohne Anschreiben?
  3. Welche Unterlagen brauche ich, und welche sind nicht nötig?
  4. Wie läuft das Verfahren ab: Gespräch, Probetag, Rückmeldung?
  5. Wer ist meine Ansprechperson, mit Name und Kontaktweg?

Nenne Fristen und Dauer nur, wenn sie verlässlich gelten. Konkrete Stellen, Gehälter oder Termine veralten in gedruckten Broschüren schnell. Sie gehören auf die Karriereseite, die du aus der Broschüre heraus verlinkst.

Durchgearbeitetes Beispiel

Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.

Ein Betrieb für Gebäudetechnik mit 80 Beschäftigten möchte mehr Auszubildende gewinnen. Die bisherige Imagebroschüre beschreibt vor allem Referenzprojekte und enthält eine halbe Seite „Karriere bei uns“ mit allgemeinen Versprechen.

Die neue Recruitingbroschüre richtet sich vorrangig an Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen und ihre Eltern. Sie umfasst zwölf Seiten im Format A5 und wird auf Ausbildungsmessen und bei Schulbesuchen verteilt. Aufbau:

  • Einstieg: Was Auszubildende in der Anlagenmechanik und in der Elektronik im Betrieb tatsächlich tun, gezeigt an zwei Baustellen.
  • Ein Tag in der Ausbildung: zwei Auszubildende im zweiten Lehrjahr beschreiben ihren Arbeitstag, mit Fotos auf echten Baustellen und dokumentierter Einwilligung.
  • Ausbildung im Überblick: Dauer, Berufsschule, Betreuung durch einen festen Ausbilder, Übernahmeregelung, soweit sie verbindlich gilt.
  • Für Eltern: Ansprechperson und die Möglichkeit eines Betriebsbesuchs.
  • So bewirbst du dich: QR-Code zur Karriereseite, benötigte Unterlagen, Ablauf mit Praktikumstag, Kontakt der Ausbildungsleitung.

Der Satz „Bei uns erwartet dich ein tolles Team“ ist verschwunden. An seine Stelle tritt ein Zitat eines Auszubildenden, der beschreibt, wer ihm in der ersten Woche geholfen hat.

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine Recruitingbroschüre von einer Imagebroschüre?

Eine Imagebroschüre stellt das Unternehmen für Kunden und Partner vor. Eine Recruitingbroschüre beantwortet die Fragen von Menschen, die dort arbeiten möchten: Aufgaben, Arbeitsalltag, Entwicklung und Bewerbungsweg. Beide können dieselbe Gestaltung nutzen, brauchen aber eine eigene Gliederung. Mehr zur Imagebroschüre liest du im Beitrag Unternehmensbroschüre aufbauen.

Sollten offene Stellen in der Broschüre stehen?

Besser nicht. Offene Stellen ändern sich häufig, eine gedruckte Broschüre bleibt länger im Umlauf. Verweise stattdessen mit einer kurzen Webadresse oder einem QR-Code auf die Karriereseite, wo die aktuellen Stellen stehen.

Dürfen wir Fotos aus Bildagenturen verwenden?

Für Stimmungsbilder ist das möglich, wenn die Lizenz die Nutzung abdeckt. Personen aus Bildagenturen sollten aber nicht als eigene Mitarbeitende erscheinen. Bewerberinnen und Bewerber erkennen solche Motive oft und verlieren Vertrauen. Echte Fotos aus dem Betrieb sind glaubwürdiger.

Wie viele Seiten braucht eine Recruitingbroschüre?

Das hängt von der Zielgruppe und vom Einsatz ab. Für eine Ausbildungsbroschüre, die auf Messen verteilt wird, reichen oft acht bis zwölf Seiten. Wenn mehrere Berufe oder Einstiegswege vorgestellt werden, wird es mehr. Plane den Umfang aus der Gliederung heraus und nicht umgekehrt.

Dein nächster Schritt

Lege fest, welche Zielgruppe deine Recruitingbroschüre vorrangig anspricht, und prüfe deine bisherigen Texte mit der Tabelle aus Schritt 2. Wie sich die Broschüre in deine gesamte Mitarbeiterkommunikation einfügt, liest du im Themenschwerpunkt Mitarbeiterkommunikation mit Magazinen und Broschüren planen. Wenn Inhalt und Umfang stehen, gestalten wir deine Broschüre. Mehr dazu auf der Seite Broschüre gestalten lassen oder direkt über die Projektanfrage.

Quellen

Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.

Bild von Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner

Sandro Hausruckinger-Lindner ist Grafikdesigner und WordPress-Freelancer mit über 20 Jahren Erfahrung. Er unterstützt Werbeagenturen und Unternehmen bei der Gestaltung von Publikationen wie Broschüren, Magazinen und Katalogen sowie bei der Entwicklung von maßgeschneiderten Webseiten und Webanwendungen.

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