Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Publikationskosten und Budget realistisch planen.
Ein Preis pro Seite wirkt auf den ersten Blick einfach: Seitenzahl mal Seitenpreis, fertig ist das Budget. Als Kalkulationsgrundlage ist der Seitenpreis auch durchaus sinnvoll, viele Agenturen arbeiten damit. Er funktioniert aber nur, wenn klar ist, welche Art von Seite gemeint ist und welche Annahmen dahinterstehen. Eine Textseite mit einem Foto und eine Tabellenseite mit vierzig Produktzeilen zählen beide als eine Seite. Der Aufwand dahinter ist sehr unterschiedlich.
Kurz gesagt: Ein Seitenpreis ist ein Durchschnittswert. Ob er zu deinem Projekt passt, hängt von drei Dingen ab: dem Anteil der Erstkonzeption gegenüber den Folgeseiten, dem Anteil an Tabellen, Grafiken und Bildbearbeitung sowie dem Umfang späterer Änderungen. Frag deshalb immer, welche Annahmen ein Seitenpreis enthält.
Erstkonzeption und Folgeseiten unterscheiden
Bei jeder neuen Publikation entsteht zuerst ein Gestaltungssystem: Titel, Raster, Typografie, Farben, Bildsprache und Musterseiten für die wichtigsten Seitentypen. Dieser Aufwand fällt einmal an, egal ob die Broschüre 12 oder 48 Seiten hat. Die Folgeseiten wenden das System an. Sie sind umso schneller gesetzt, je genauer sie einem vorhandenen Muster folgen.
Daraus folgen zwei Dinge. Erstens sinkt der Aufwand pro Seite in der Regel mit wachsendem Umfang, weil sich die Erstkonzeption auf mehr Seiten verteilt. Zweitens gilt das nur, solange die Folgeseiten wirklich ähnlich aufgebaut sind. Eine Publikation, in der fast jede Doppelseite anders aussieht, hat viele kleine Erstkonzeptionen.
Besteht schon ein Gestaltungssystem, etwa bei einer Neuauflage oder einer Reihe, fällt die Erstkonzeption weitgehend weg. Dann entsteht der Aufwand vor allem im Satz und bei Korrekturen.
Tabellen und Bildanteil bewerten
Die folgende Übersicht zeigt, warum Seiten mit gleicher Fläche unterschiedlich viel Arbeit machen. Sie hilft dir, dein Projekt vor der Anfrage grob einzuordnen.
| Seitentyp | Relativer Aufwand | Warum |
|---|---|---|
| Fließtext mit einem Bild | gering | folgt direkt der Musterseite, wenig Einzelentscheidungen |
| Bildseite oder Bildstrecke | mittel | Bildauswahl, Ausschnitt, Bildbearbeitung und Farbanpassung |
| Seite mit Freistellern | mittel bis hoch | jedes Produkt muss freigestellt, ausgerichtet und angeglichen werden |
| Datentabelle | hoch | Datenübernahme, Spaltenlogik, Einheiten, Umbruch über Seiten, Prüfung |
| Infografik oder Schaubild | hoch | Inhalt muss erst verstanden, reduziert und neu gezeichnet werden |
| Titel und Kapiteleinstiege | hoch beim ersten Mal | tragen die Wirkung der Publikation, werden oft in Varianten abgestimmt |

Tabellen
Tabellen sind auf der Seite oft unscheinbar und im Satz trotzdem aufwendig. Jede Zahl muss richtig übernommen, jede Einheit einheitlich geschrieben und jede Spalte lesbar ausgerichtet werden. Liegen die Daten als strukturierte Tabelle vor, lässt sich vieles sauber übernehmen. Kommen sie als Text in E-Mails oder als eingescannte Liste, steigt der Aufwand deutlich. Soll zusätzlich ein barrierefreies PDF entstehen, müssen Tabellen mit Kopfzellen und Lesereihenfolge ausgezeichnet werden. Die Anforderungen dafür beschreibt die Norm für barrierefreie PDF-Dokumente, PDF/UA. Mehr dazu liest du im Beitrag zu barrierefreien Broschüren.
Bildanteil
Beim Bildanteil kommt es weniger auf die Zahl der Bilder an als auf ihren Zustand. Gut belichtete Fotos in Druckauflösung mit geklärten Rechten lassen sich schnell platzieren. Bilder, die erst gesucht, lizenziert, freigestellt oder farblich angeglichen werden müssen, kosten Zeit. Bei zugekauften Bildern hängt der Preis zudem vom vereinbarten Nutzungsumfang ab. Das Urheberrechtsgesetz unterscheidet einfache und ausschließliche Nutzungsrechte, die räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt sein können.

Änderungsumfang berücksichtigen
Ein Seitenpreis setzt meist eine bestimmte Zahl an Korrekturrunden voraus. Entscheidend ist aber nicht nur, wie oft korrigiert wird, sondern was sich ändert.
| Art der Änderung | Folge im Layout |
|---|---|
| Tippfehler, einzelne Wörter | wird direkt eingearbeitet, keine Folgen für andere Seiten |
| Absatz wird deutlich länger oder kürzer | Umbruch verschiebt sich, Bilder und Folgeseiten müssen angepasst werden |
| Neue oder geänderte Daten in Tabellen | erneute Übernahme und Prüfung, eventuell neuer Seitenumbruch |
| Kapitel kommt hinzu oder fällt weg | Seitenplan, Inhaltsverzeichnis und bei Klammerheftung der Gesamtumfang ändern sich |
| Neue Gestaltungsrichtung nach dem Entwurf | Teile der Erstkonzeption beginnen von vorn |
Je später eine inhaltliche Änderung kommt, desto mehr bereits fertige Arbeit betrifft sie. Deshalb lohnt es sich, Texte vor dem Satz abzustimmen.
Checkliste: Einen Seitenpreis richtig einordnen
- Ist die Erstkonzeption mit Titel und Musterseiten im Seitenpreis enthalten oder separat ausgewiesen?
- Von welcher Textmenge und welcher Bildanzahl pro Seite geht die Kalkulation aus?
- Wie werden Tabellen, Infografiken und Freisteller berücksichtigt?
- Wie viele Korrekturrunden sind enthalten, und was gilt als Korrektur, was als Änderung?
- Ist die Bildbeschaffung enthalten oder werden Bilder fertig geliefert?
- Gilt der Seitenpreis für jede Sprachversion gleich oder gibt es Folgesprachen mit eigener Kalkulation?
- Sind Druckdaten und weitere Ausgaben wie ein PDF für die Website enthalten?
Beispiel: Zwei Broschüren mit gleicher Seitenzahl
Das Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Zwei Unternehmen planen jeweils eine Broschüre mit 24 Seiten.
Ein Softwareanbieter möchte eine Imagebroschüre. Die Texte sind fertig und freigegeben, Fotos aus einem Shooting liegen in Druckqualität vor, das Corporate Design ist ausführlich dokumentiert. Fast alle Seiten folgen zwei Musterseiten. Der Aufwand konzentriert sich auf Titel, Musterseiten und einen ruhigen, gleichmäßigen Satz.
Ein Maschinenbauer plant eine technische Produktbroschüre. Acht Seiten enthalten Datentabellen, die Werte kommen aus verschiedenen Dateien. Zwölf Produktfotos müssen freigestellt werden, zwei Funktionsprinzipien sollen als Schaubild entstehen. Zur Fachprüfung kommen drei Abteilungen hinzu.
Beide Broschüren haben 24 Seiten, aber nur bei der ersten passt ein durchschnittlicher Seitenpreis ohne Weiteres. Bei der zweiten sollten Tabellen, Freisteller und Schaubilder im Angebot ausdrücklich berücksichtigt sein.
Häufige Fragen
Ist ein Seitenpreis unseriös?
Nein. Er ist eine praktische Grundlage, um Projekte unterschiedlicher Größe einzuschätzen. Er wird erst dann problematisch, wenn niemand weiß, welche Annahmen er enthält. Ein guter Seitenpreis ist an einen beschriebenen Leistungsumfang gebunden.
Warum wird eine längere Broschüre pro Seite oft günstiger?
Weil sich die Erstkonzeption mit Titel, Raster und Musterseiten auf mehr Seiten verteilt. Voraussetzung ist, dass die zusätzlichen Seiten einem vorhandenen Muster folgen und keine neuen Seitentypen erfordern.
Wie kann ich den Aufwand für Tabellen senken?
Liefere die Daten in einer strukturierten Tabelle mit einheitlichen Einheiten und einem festen Datenstand. Kläre vorher, welche Spalten wirklich in die Publikation gehören. Jede Spalte weniger erleichtert Satz und Prüfung.
Zählt eine Doppelseite als eine oder als zwei Seiten?
In der Regel als zwei Seiten, denn die Seitenzahl einer Publikation zählt jede bedruckte Seite einzeln. Für den Aufwand ist aber entscheidend, ob die Doppelseite als Einheit gestaltet wird, etwa mit einem durchlaufenden Bild.
Dein nächster Schritt
Ordne die Seiten deiner Publikation den Seitentypen aus der Tabelle zu und notiere den Anteil an Tabellen und Bildern. Wie wir bei myBroschur kalkulieren, erklären wir auf der Seite Broschüre erstellen lassen: Kosten und Leistungen. Den Überblick über alle Kostenbereiche findest du im Themenschwerpunkt Publikationskosten und Budget realistisch planen. Für eine Einschätzung deines Projekts nutze die Projektanfrage.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: § 31 Urheberrechtsgesetz, Einräumung von Nutzungsrechten. Abgerufen am 02.11.2026.
- ISO: ISO 14289-1:2014, Electronic document file format enhancement for accessibility (PDF/UA-1). Abgerufen am 02.11.2026.
Beitragsbild und Bilder im Text: KI-generiert.